Crushed Ice

Wildpark West.


Endlich Winter

Zumindest ein bisschen. (Ich würde gerne mal wieder auf dem Heiligen See Schlittschuh fahren)


Hail to the Rechenzentrum

tldr: Das Rechenzentrum ist so gut, wenn es das nicht gebe, müsste man es erfinden. Und man sollte es nicht aus Dummheit kaputt machen.

Dieses Jahr feiert Potsdam das 1025-jährige Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Begonnen wurden die “Feierlichkeiten” mit der Veranstaltung “Potsdam unterwegs im Licht” zu der Fassaden angestrahlt und eine Open-Air Galerie an einem Bauzaun eröffnet wurde. (Wow!) Wir durften mit “Im Modus” zu diesem Anlass im Rechenzentrum spielen. (“Da wird es also ein bisschen fetziger” – dazu später mehr)

Foto: Kristina Tschesch

Potsdam ist ja ganz hübsch und ein Haufen Menschen ziehen hier her, weil es so viele schöne Seen und Villen gibt. Aber eigentlich ist hier ja nichts: Kaum Industrie, wenig Wirtschaft. Die Uni hat jetzt auch keinen Weltruf. Deswegen wird in der Stadt (und im ganzen Land Brandenburg) permanent irgendetwas mit viel Geld gefördert.

Das Rechenzentrum ist jetzt kein klassisches Beispiel von “Wirtschaftsförderung”. Das Ding wurde ja “erstritten” und riecht so links-grün-versifft nach Selbstverwaltung (Igitt). Dabei ist es wahrscheinlich der größte Erfolg des scheidenden Bürgermeisters in diesem Bereich – ohne dass der das so richtig merkt und dementsprechend handelt.

Exkurs: Neulich flog mir eine Ausschreibung des “MediaTech Hub Potsdam” zu. Das soll “both a physical place and a network of companies, startups, investors, institutions, universities and research facilities.” sein. Und sie wollen da “innovations and applications for the entertainment and smart industries of tomorrow” developen. In fancy Business-Englisch, mit Stock-Fotos von der Glienicker Brücke (häh?) und gefördert – natürlich – von der Stadt und diversen von anderen staatlichen Stellen geförderten Institutionen. Dort läuft gerade ein Wettbewerb. Man kann seine Geschäftsidee einreichen und von einer namhaften (aber nicht näher benannten) Jury begutachten lassen. Wenn man “gewinnt”, bekommt man  …

Mietzuschuss von 100% der Bruttokaltmiete für einen Zeitraum von bis zu 21 Monaten für Büroräume in der Medienstadt Potsdam-Babelsberg. Ihr zahlt noch 7,80 € pro qm der angemieteten Bürofläche (inklusive Strom, Wasser, Heizung, Telefon/Internet und Gemeinschaftsfläche – z.B. Meetingraum).

So sieht Förderung in Brandenburg normalerweise aus (Wenn die Kohle nicht gleich direkt in Luftschiffhallen, Chipfabriken oder Rennstrecken versenkt wird.) Ein sinnloser Wettbewerb. Und wenn man gewinnt, darf man knapp 8 Euro Nebenkosten pro Quadratmeter in der Medienstadt Babelsberg bezahlen (Ich laufe da fast jeden Tag dran vorbei. Der Kasten ist nichtmal hübsch. Man kommt mit dem ÖPNV scheiße hin und die Ecke hat jetzt auch nicht unbedingt urbanes kreatives Flair.)

Zurück zum Rechenzentrum. Ja, das Ding riecht nach DDR, das Ganze hat einen morbiden Charme, es bröckelt hier und da. Aber deswegen kosten die Räume auch 7 Euro (Brutto/Warm) pro Quadratmeter. Und sind mit 250 Kreativen gut gefüllt. Sind da ein Haufen Spinner drin? Wahrscheinlich. Werden alle damit irgendwann Geld verdienen und brav Steuern für die Stadtkasse zahlen? Weiß man nicht. (Auch wenn die Zahlen nach zwei Jahren sehr Controller-freundlich aussehen und wirtschaftliche Sinnhaftigkeit hierzulande wahrlich keine Fördervorraussetzung ist.)

Foto: Kristina Tschesch

Und außerdem sieht das Ding auch noch lebendig und gut aus – von Innen und von Außen. (Natürlich nicht nur, wenn wir da spielen.)

Eigentlich könnten sich nun alle freuen, in den Armen liegen, das als Musterbeispiel für alles Mögliche sehen und sich bauchkraulend den Erfolg auf die eigene Fahne schreiben. Kostet fast nix, funktioniert super, alle zufrieden. Aber weil das Ding halb auf dem Gelände des Garnisonkirchen-Wiederaufbaus steht, ist es ein Politikum. Die Lokalpolitik ist mittlerweile so weit, dass sie begriffen hat, dass sich hier nicht irgendwo Erich Honecker versteckt hält und heimlich den Abriss des neuen Stadtschlosses plant. Die Zukunft – derzeit ist die Nutzung bis Herbst 2018 befristet – soll jetzt in einem Workshop geklärt werden. Nun gut.

Man kann den entscheidungsbefugten Stellen nur wünschen, dass sie begreifen, was für ein “Schatz” hier verhandelt wird. Und wie leicht man das alles kaputt machen kann. Förderung – gerade von “kreativen” Dingen – funktioniert halt nicht mit StartUp-Wettbewerben oder Stock-Fotos sondern mit “Raum”. Und wenn man den (noch) hat und es dann auch noch so funktioniert, sollte man das ganze mit Samthandschuhen anfassen und möglichst lieb zu dem Projekt sein. Nie im Leben würde eine Umsiedlung in einen historischen Neubau funktionieren. (Wie derzeit mit der Variante Kreativzentrum im “Langen Stall” diskutiert.)

Klar, kann man da kreative Gewerke ansiedeln. Und vielleicht hat man auch Glück und das funktioniert. Aber mal ehrlich: Das ist wie das genormte Trafo-Häuschen an der Endhaltestelle Wildpark/West, das du dem hochbegabten Sprayer, der gerne 8-stöckige Hochhäuser bemalt, hinstellst und sagst: Hier, mach Kunst! (Ja, das Bild ist ein bisschen schief, weil 8-stöckige Hochhäuser bemalen wahrscheinlich immer noch Sachbeschädigung ist. Ich bin mir allerdings sicher, dass viel zu viele alleine die Existenz des Rechenzentrums quasi als Sachbeschädigung der neuen Potsdamer Mitte empfinden. Und nicht das kleinste bisschen Spannung aushalten … Und dann passt der Vergleich wieder.)

Schon allein solche Dekorationen, wie jetzt zu “Potsdam unterwegs im Licht” wären schlicht undenkbar. (Und die sind als Bonus auch noch länger sichtbar, als nur für die vier Stunden an einem Abend, für die die teuren Riesenbeamer und PopUpBühnen für die offiziellen Veranstaltungen gemietet wurden.)

Es gibt nämlich einen Preis für die vielfach gewünschte preußische Modelleisenbahnplatte. Ja, die ist aus einer bestimmten Perspektive hübsch. Ja, viele seltsame Bauten wurden aus ästhetischer Sicht vielleicht zu Recht abgerissen. Aber wenn Du die Stadt in Pastell anmalst und mit schlecht sitzenden Kostümen von vor 200 Jahren verkleidest, kriegst Du halt auch nur Pastell und Flötenmusik und keinen Rock’n’Roll, der die vielfach gewünschte “Innovation” und den “Standort nach vorne bringt”.

Es ist paradox. Das Rechenzentrum beweist, was man mit der alten FH hätte machen können. Einem “Raum” (und Menschen) die Möglichkeit geben, etwas zu entwickeln. Etwas, was man sonst mit viel Geld anderswo versucht, mühsam zu fördern.

Naja, es war ein schöner Abend, genau dort. Und es wäre schön, wenn das Ding noch eine Weile erhalten bleibt. Und nicht zwischen den Mahlsteinen von mutloser Lokalpolitik, Stiftungen und den Wünschen einer lokalen Prominenz, die sich als Elite begreift, aber letztendlich nur als provinzielles Kleinbürgertum, was keine Reibung aushält, agiert, kaputt gemacht wird.

Damit es hier – in rbb-Sprache – ein bisschen fetziger bleibt und noch bis in die Nacht geht. (Was der rbb so als Nacht versteht. Wir haben uns an dem Tag gefragt, wann wir das letzte Mal so früh gespielt haben und was wir mit dem angebrochenen Abend danach noch anstellen.)

Disclaimer: Ich habe mit dem Rechenzentrum nichts zu tun, bin nicht in dem Verein FÜR e.V. und dort kein Mieter. Wir haben da halt jetzt zweimal gespielt und das Haus ein wenig kennengelernt. 


Nebel. Yeah!

Besser als Regen.


Im Modus @ Rechenzentrum

Open-Air im Januar (wenn nicht ganz so doofes Wetter wie heute ist). Juhu. Das wird entweder fragwürdig oder legendär.

20.01.18 // 20:00 // Rechenzentrum Potsdam // inkl. kirchlich-militärischer Choräle (“Günter und sein Anwalt”)

Infos // Facebook Event


2018

Das könnte ein spannendes Jahr werden. Oder anstrengend. Oder langweilig. Was weiß man schon am 01. Januar?

Ich habe das Jahr auf jeden Fall mit schöner Musik begonnen: Auf der Erobique Neujahrsgala. Am 1. Januar und nicht in dem Silvesterchaos. (Am 31.12. ist mir mittlerweile ein bisschen Kinderpeng und um 1 schlafen gehen fast lieber.)

Insofern: Schönes neues Jahr allerseits mit viel Musik, Glitzer und funkelnden Lichtern.


Schöne Weihnachten

Schöne Weihnachten.

(1:32 Uhr, alles fertig gebastelt, alles verpackt, der Baum steht, geschmückt wird morgens mit Gebrüll)

Heutzutage schenkt man ja leider keine Mixtapes mehr. Wer hat überhaupt noch einen angeschlossenen CD-Player? Mixtapes gleich auf hippes Vinyl pressen ist noch ein bisschen aufwändig. Und einen Download-Link verpacken ist auch irgendwie nicht soooo persönlich. Naja. Musste ich dran denken, weil wir mit “Im Modus” dieses Jahr etwas zum Kraftfuttermischwerk Adventskalender beisteuern durften. (Über das “junges Talent” reden wir nochmal.) Das hat schon verdammt viel Spaß gemacht, die eigenen Sachen mit halb Island und der Welt zu kreuzen. Auch wenn zum Verschenken derzeit das richtige Medium fehlt, das müsste man eigentlich öfter tun.

Ihr könnt es Euch aber immerhin hier anhören (Und mir erklären, warum das kein Welthit wurde). Oder das Internet bis 2018 einfach auslassen.

Macht Euch eine schöne Zeit. Seid lieb zueinander und hört Musik.


Arbeitsweg

Ab jetzt endlich wieder mit Fahrrad …


Mal wieder zu fünft im Park

Doch noch eine “Frisbee-Weltmeisterschaft” dieses Jahr.


Wenn schon Winter, dann mit Schnee


Eingewöhnung. Again.


“Im Modus” – Adventskalender

In Russland wird die WM ausgelost, Deutschland hat weiterhin keine neue Regierung, die ganze Potsdamer Innenstadt leidet unter dem Kack-Weihnachtsmarkt. Für die kleinen Freuden des Alltags sorgt (hoffentlich) der “Im Modus“-Adventskalender mit 24 Perlen der Popkultur bzw. Sinnlosigkeit. Auf Youtube. Jeden Tag. Macht Euch eine schöne Adventszeit.


Glowe, DDR

In den letzten Jahren war ich wieder häufiger auf der Insel Rügen. Und immer wenn ich Richtung Kap Arkona fahre, suche ich auf der Schaabe, genau 3 Kilometer hinter dem Ortsausgangsschild Glowe, eine kleine Einfahrt. Es muss sowohl nach links gehen, Richtung Bodden, als auch nach rechts zur Ostsee.

Dort rechts, nach einem Kilometer Rumpelweg durch den Küstenwald, habe ich einen Großteil der Urlaube meiner Kindheit verbracht. Von 1982 bis Anfang der 1990er waren wir eigentlich jedes Jahr mindestens einmal dort.

Nicht auf dem etwas bekannteren Zeltplatz, über den Antje Ravic-Strubel einen schönen Text in der Welt geschrieben hat: Wir verbrachten die Ferien in einem „Quartier” des Zentralinstituts der Physik der Erde (ZIPE). Der Kern der Anlage war ein ausrangierter Messturm. Direkt daneben hatte man ein paar Bungalows gebaut, einen Campingwagen hingestellt und einige Bauwagen irgendwie in „Ferienwohnungen” verwandelt. Den systemüblichen Stacheldraht drumherum und fertig.

Blick vom Messturm Richtung Küstenwald. Rechts der Sanitärbungalow. 

Wie in der DDR üblich konnte man über die Arbeitsstelle dann dort streng nach Zuteilung seinen Urlaub verbringen. Wir reisten in der Regel im Mai oder im Oktober nach Rügen: in den Anfangsjahren mit Zug und Fahrrad, später dann mit zwei Erwachsenen und drei Kindern klassisch mit einem Trabant (Stufenheck). Es kursieren über diese Autoreisen diverse Legenden: Demnach lag bspw. ein Kind für die komplette Fahrt auf der Hutablage. Selbst mit dieser Sitzverteilung kann ich mir heute, wenn ich manchmal einen Trabant auf der Straße sehe, beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir die doch bestimmt mindestens fünfstündige Fahrt aus Potsdam überlebt haben.

Der Messturm. Direkt hinter dem kleinen Tor begann der Strand. 

Die Ausstattung war “funktional”. Trinkwasser musste vom Zeltplatz in Glowe geholt werden, es gab in den meisten Unterkünften keine Toiletten, nur einen fragwürdigen Sanitärbungalow. An Duschen konnte sich in meiner Familie niemand erinnern. Geheizt wurde mit russischen Ölradiatoren. Gekocht wurde auf Elektro-Kochplatten. (Wobei ich mich nicht an irgendetwas, was wir dort gegessen haben, erinnern kann. Oder wie das mit dem Waschen und Zähneputzen funktionierte. Das ist wahrscheinlich wie in Filmen. Diese banalen Dinge werden ausgelassen, weil sie die Illusion und die schöne Geschichte zerstören würden.)

In den 1980er war Pfeife Rauchen angesagt. Im Hintergrund die “Zeuthener Bungalows” und ein fremder Trabant. Keine Ahnung, warum die Räder des Pappautos noch zusätzlich mit Pappe geschützt waren.

Direkt nebenan stand ein Grenzturm, von dem gelangweilte Bewacher des antifaschistischen Schutzwalls nachts gerne mal mit dem Suchscheinwerfer den Strand ableuchteten und auch sonst wahrscheinlich eher interessiert den FKK-Strand beobachteten. Was willst Du an dieser Stelle auch bewachen? Selbst die Fähre braucht von Sassnitz vier Stunden nach Schweden. Regelmäßig ballerten MiGs im Tiefflug über das Meer und sorgten dafür, dass ich schon in frühester Kindheit echte Überschallknalle hören konnte. Ab und an machte ein Tanker vor der Schaabe gemütlich sich selbst sauber und wir hatten viele kleine Öl-Kügelchen am Strand. Ölpest für Ossis quasi.

In meiner Erinnerung gab es ein Foto, wo auch noch meine Schwester oben auf uns drauf saß. Aber wahrscheinlich ist das reine Illusion. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, das Bild mit meinen beiden Kindern nachzustellen. Aber da wir nichts hatten im Osten, waren wir wahrscheinlich totale Fliegengewichte und meine Mama sozialistisch vorbildlich durchtrainiert.

Für uns Kinder, und wahrscheinlich auch für die Erwachsenen, war das aber alles egal. Und das ist keine “Früher/in der DDR war alles besser”-Träumerei. (Ich bin schon ganz froh, dass das heute alles etwas komfortabler ist. Und freue mich auch, wenn es in Ferienwohnungen W-Lan,  Fußbodenheizung und vielleicht eine Sauna gibt.)

Die hinimprovisierten Unterkünfte hatten klangvolle Namen: Kogge, großer Wohnwagen (sehr begehrt, da gab es echte “Schlafzimmer”), Bungalow (es gab nur einen für uns, die anderen hießen “die Zeuthener” und die gehörten zu einem anderen Betrieb), Bastei, Doppelwohnwagen, oberes und unteres Turmzimmer. Und in allen waren wir mal. Auf Nachfrage konnten sich meine Eltern nicht erinnern uns irgendwie großartig beaufsichtigt zu haben. Wir streunten den ganzen Tag durch die Kiefernwälder, sammelten Dinge und bauten daraus andere Dinge, spielten am Strand oder buddelten unter den Wohnwagen und Bungalows. Wahrscheinlich ist der Dreck unter meinen Fingernägeln immer noch zu einem gewissen Prozentsatz Ostseesand von damals.

Doppelwohnwagen, hier machten zwei Familien zeitgleich Urlaub. Im Hintergrund die “Kogge”. Mein Bruder trägt einen Old-School-Alu-Hut, ich einen Anorak, mit dem man heute mit 100% Wahrscheinlichkeit ins Berghain kommen würde. Und wir sehen so aus, als ob wir sehr wichtige Dinge tun.

K1 ist mit knapp 10 ja in der Phase, wo alle Urlaube latent “laaangweilig” sind. Wir haben uns, den Berichten unserer Eltern zufolge, angeblich dort nie gelangweilt. Es waren allerdings auch immer andere Kinder anwesend. Und Sachen wie auf Papas Schoß den einen Kilometer Waldweg selbst Autofahren, ein Fischernetz finden und in einer ebenfalls angeschwemmten blauen Plastetonne per Post nach Hause schicken und es dort als Hängematte zu verwenden, sind selbst aus heutiger Sicht vom Coolnessfaktor relativ weit oben, würde ich sagen.

Plattencovermotiv #1

Damals gab es auch noch für Touristen wie uns am Strand auffindbare Bernsteine, sodass wir sogar freiwillig längere Strandspaziergänge unternahmen, um unsere Schätze in den Streichholzschachteln aufzufüllen. So etwas kompensiert die Abwesenheit jeglicher Unterhaltungselektronik natürlich. (Ausnahme im Mai: die Radioübertragungen der Friedensfahrt, nur echt mit Fanfare. Seitdem bin ich auch Fan von Dschamolidin Abduschaparow. Ja, er hat den DDR-Recken wie Olaf Ludwig den ein oder anderen Sieg geklaut, hatte eine rüpelhafte Fahrweise und war – wie wahrscheinlich alle Radsportler – bis oben zu mit Medikamenten. Aber dieser Name …)

Plattencovermotiv #2

Mit Fahrrädern sind wir bis Kap Arkona gefahren oder haben spukige Ruinen von Herrenhäuser hinter Juliusruh erkundet und in den Maisfeldern gespielt. Ich hatte irgendwann einen mechanischen Kilometerzähler (nicht zu verwechseln mit einem Tachometer, unerreichbar damals) und habe die Wege statistisch erkundet und Kilometer gesammelt. Und manchmal haben wir in der “Ostseeperle” in Glowe Eis gegessen. Die Camper auf dem Zeltplatz haben wir belächelt, wir hatten es schließlich viel besser. Viel gemütlicher, individueller, privater und wilder.

Erstaunlich wie oft auf den wenigen Bildern – Schwarz-Weiß-Filme, selbst entwickelt – Zäune und Stacheldraht zu sehen ist. 

Bis Anfang der 1990er war das unser Abenteuerspielplatz, dann wurde die Welt größer, es gab viel zu entdecken. 1995 oder 1996 war ich noch einmal auf einer Radtour dort. Der Nachwendekater hatte voll zugeschlagen. Die Bauwagen waren teilweise schon weg, der Turm von Vandalismus gezeichnet. Türen hingen in den Angeln, Hakenkreuze waren an die Reste der Bungalows geschmiert. Der Grenzturm war so demoliert, dass wir uns nicht einmal rein trauten. Dabei war es das, was wir die ganze Zeit eigentlich immer wollten, das große Geheimnis lüften, wie die Welt von diesem verbotenen Turm aus eigentlich aussieht, wie das funktioniert mit dem Suchscheinwerfer und dem Alarm. Damals konnte man noch bedenkenlos auf Rügen wild zelten und eigentlich wollte ich genau dort noch einmal übernachten. Wir sind dann aber lieber noch ein paar Kilometer weiter gefahren, weil wir nicht irgendwelchen Dorfnazis bei einem nächtlichem Saufgelage begegnen wollten.

Mittlerweile ist von dem Ferienquartier nichts mehr übrig, die Natur holt sich ihr Land zurück. „So entschwindet die Vergangenheit in der Unschärfe“, sagte mein Papa, als wir in alten Online-Karten oder bei Google-Maps in der Historie nach dem Ort oder den Überresten suchten.

Und selbst das allwissende Internet findet weder zu unserem „Objekt” noch zu dem seltsamen Grenzturm irgendetwas. Aber immer wenn ich über das Kopfsteinpflaster in Sagard Richtung Wittow fahre, kommen die Erinnerungen wieder. Und der Name “Glowe” hat in unserer Familie auch nach den vielen Jahren und dem heutigen, relativ banalen Ostseeort so gar nicht entsprechend, einen sehr abenteuerlichen, vertrauten und fast heimatlichen Klang.

Und meine Abneigung gegen Hotels und Ferienparks ist genauso wie die Vorliebe für Ferienwohnungen und Urlaube möglichst ohne die geringsten Anzeichen von Massentourismus wahrscheinlich genau hier entstanden.


Garnisonkirche is a bitch

Am 29. Oktober gab es den offiziellen Baustart für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Mit Festgottesdienst, Ehrengästen, Gottes bzw. Günters Segen und allem Schnick und Schnack. Und laut PNN.de ungefähr 75 Gegendemonstranten, Buttersäure und Trillerpfeifen.

Neben der allgemeinen Debatte über die Sinnhaftigkeit des Wiederaufbaus der – wohlwollend formuliert – mit einer zweifelhaften Geschichte behafteten Soldatenkirche gibt es mittlerweile noch eine andere Konfliktlinie. Neben der geplanten Kirche steht das “Rechenzentrum“, ein altes DDR-Gebäude, was sich die Künstler der Stadt als Kreativhaus erstritten haben und was mittlerweile als Erfolgsmodell gilt. Die Nutzung ist derzeit bis August 2018 befristet. Das Ding steht auf dem Baufeld der Kirche und müsste spätestens bei dem mehr als vagen Wiederaufbau des Kirchenschiffs endgültig abgerissen werden. Es gibt einen breiten politischen Konsens, die Nutzung auf jeden Fall bis 2023 zu verlängern, die Stadt stellte dafür bereits eine halbe Million bereit, die die Mehrkosten beim Bau decken soll.

Baufeld Garnisonkirche und Rechenzentrum noch ohne Künstler im Juli 2013

Soweit, so gut oder schlecht. Nach dem “Stören” des Fests eskaliert die Situation in typisch Potsdamer Manier. Nach diesem Artikel vom 6.11.17 bin ich noch mehr als vorher geneigt, all die Reden vom Versöhnungszentrum für Blödsinn und die Beteiligten auf Seiten der Stiftung für kleingeistige Vollpfosten zu halten. Außerdem macht mich das stinkwütend.

Zusammengefasst: Die Stiftung Garnisonkirche ist aufgrund der Störungen beleidigt. Und möchte jetzt nicht mehr über eine Verlängerung des Vertrags über die Nutzung des Rechenzentrums reden. Sie ist in dieser Machtposition, weil ein Teil des Rechenzentrums auf dem Gelände der Stiftung steht. (Dieses Gelände bekamen die Wiederaufbauer übrigens von der Stadt geschenkt, so viel zum Thema “komplett privat finanziert und organisiert”)

Im Detail:

“Unter derartigen Vorzeichen über Verlängerungen von bestehenden Vertragsverhältnissen nachdenken zu sollen, ist eine falsche Erwartungshaltung“, sagte der Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche, Wieland Eschenburg. „Unsere ausgestreckte Hand der Versöhnung wurde weggebrüllt.“

Wieland Eschenburg ist ein gewiefter Rhetoriker, das liest sich so weg, klingt in sich schlüssig, ist aber bei genauem Hinsehen eine niederträchtige Frechheit. Erstens setzt er hier die Leute, die ihn störten mit dem kompletten Kreativhaus gleich. Kollektivstrafe ftw. Dann spricht er von “Erwartungshaltung”, was offenbart, dass es sich hier mitnichten um eine versöhnende Nachbarschaft sondern um ein psychologisch bitte zu untersuchendes Selbstverständnis vom mächtigen Kirchenpapi und dem quengeligen Kind, was “Bitte, bitte” rufen muss und abends pünktlich das Licht ausmachen soll, handelt. Der Satz “Unsere ausgestreckte Hand der Versöhnung wurde weggebrüllt” macht mich fassungslos. Da das als wörtliches Zitat gekennzeichnet ist, gehe ich davon aus, dass das genauso gesagt wurde. Und es bedeutet nichts anderes, als dass diese “Versöhnung” von der immer alle sprechen, kein im Wortsinne “Beilegen und Vereinen” ist. Vielmehr möchte scheinbar Herr Eschenburg bestimmen, wer sich hier mit wem unter welchen Bedingungen “versöhnt”. Brillant. Mit dieser Rhetorik kannste auch die christlichen Kreuzzüge oder sämtlichen Fundamentalismus dieser Welt als “Versöhnungszentrum” verkaufen. (“Wir wollten uns ja mit diesen Ungläubigen versöhnen, aber die haben uns einfach niedergebrüllt und nicht zugehört, da mussten wir …”)

Ein weiteres Detail: Die Stiftung hatte den Zutritt zum Gelände während des Gottesdienstes nicht reglementiert, dann aber nach Störungen die Polizei gerufen und Platzverweise ausgesprochen. Natürlich kann ich das niemanden nachweisen, aber das Ganze riecht schon etwas fischig. Gegen das Argument “wir sind offen für alle” kann ich nicht viel sagen, aber wie gesagt, das ist das umstrittenste Wiederaufbauprojekt des Landes. Da erst alle reinzulassen und danach zu rufen “Die haben uns gestört” sieht auch ein wenig so aus, als ob man das bewusst einkalkuliert hat um danach mit diesem Spin die Debatte in die gewünschte Richtung zu lenken. Ermittelt wird jetzt wegen “Störung der Religionsausübung” und “Hausfriedensbruch”, weil man Altbischof Huber “Schande” und “Heuchler” entgegengerufen hat und Trillerpfeifen benutzt wurden. Meines Wissens wurde noch niemand verurteilt, aber halten wir uns nicht mit solchen Nebensächlichkeiten auf.

Das was mich ob der Perfidität aber wirklich wütend macht ist folgendes Detail.

„Gepfiffen und gebrüllt wurde während des gesamten Gottesdienstes auch lautstark aus den Fenstern des Rechenzentrums“, so Eschenburg. Besonders stößt ihm auf, dass die Kulturmanagerin des Rechenzentrums, Anja Engel, beim Gottesdienst anwesend war und nichts gegen das Geschrei unternommen habe. „Die Vorfälle machen eine schlichte Rückkehr zu einem von gegenseitiger Achtung geprägten nachbarschaftlichen Verhältnis so einfach nicht möglich“, so Eschenburg.

Eschenburg zieht eine hochpolitische Debatte auf die persönliche Ebene. “Die Anja war auch da und hat nix gesagt, als die Sarah so laut geschrieen hat, sodass ich den Finn gar nicht mehr verstanden habe und deswegen dürfen jetzt alle Freunde von der Anja nie wieder auf meinem Spielplatz spielen sonst hole ich den Günter !!!11!”. Anja Engel ist Kulturmanagerin des Rechenzentrums, angestellt bei der Stiftung SPI, die das Haus betreibt. Das ist eine Koordinatorenstelle. Vielleicht ist Herr Eschenburg das ja aus Partei- oder Kirchenarbeit anders gewohnt, aber man hat bei so einer Stelle weder Weisungsbefugnis noch ist es die Aufgabe irgendwelche Leute auf Linie zu bringen. Sowas ging damals in der FDJ oder SED (halt, das waren ja die Doofen, die die Kirche erst gesprengt haben) heute aber nicht mehr. Und eine Person und ihr Handeln in einer bestimmten Situation für eine bestimmte Entwicklung verantwortlich zu machen, ist eine so dermaßene Arschlochnummer, dass sich mir da die Faust in der Tasche ballt.

Auch dass sich der Sprecherrat des Rechenzentrums von den Stinkbomben distanziert hat, war Eschenburg nicht genug.

In der Stiftung wird diese Distanzierung als halbherzig betrachtet. Die Vertreter des Rechenzentrums müssten sich mehr bewegen, bevor man wieder über die Zukunft miteinander sprechen könne, hieß es.

Alles in allem sieht die ganze Nummer aus, wie niederträchtig und feige durchkalkuliert (oder zumindest dankbar angenommen): Haltet ein Stöckchen hin, irgendein Krawallo wird schon rüberspringen und irgendetwas “Böses” tun. Dann schreien wir Aua und sagen “So geht das nicht, so können wir nicht miteinander reden”. (Im Ernst, wir reden über ein bisschen Buttersäure, Pöbeleien und Trillerpfeifen. Manche, wie die “Initiative Mitteschön” sprechen da zwar von kriegsähnlichen Zuständen, aber die waren auch lange nicht mehr raus aus der Berliner Vorstadt. Da ist jede Ringbahnfahrt schlimmer.)

Das kann man machen, ist halt scheiße. Auch wenn man vielleicht damit durchkommt. Ich hoffe aber sehr, dass “Karma is a bitch” in diesem Fall auch gilt. Und wenn die Lokalpolitik diese Kirche nicht stoppt und alle Welt ihnen den Blödsinn vom Versöhnungszentrum glaubt, wünsche ich mir dann eben irgendetwas anderes als Strafe. Irgendetwas schön Skurriles und ein bisschen Buntes. Einen kleinen Drogen-, Sex- oder Schmiergeld-Skandal. Oder Hitlerbildchen bei irgendeinem Stiftungschefchen im Wohnzimmer. Oder einen morastigen Untergrund, sodass das ganze Ding einstürzt. Oder Pfusch am Bau, dass es unnutzbar wird und  telegen vor sich hinrottet. Auf jeden Fall irgendetwas, was man nicht wieder anderen Menschen in die Schuhe schieben kann.

Das wäre meine Bedingung (und scheinbar muss die ja jeder vorher aufstellen bevor er ein Zentrum dafür gründet) für eine Versöhnung mit der Garnisonkirche.

Disclaimer: Ich habe mit dem Rechenzentrum nichts zu tun, bin nicht in dem Verein FÜR e.V. und dort kein Mieter. Wir haben mit unserer Band allerdings sehr vergnügt zur letzten Fête de la musique da gespielt und das Haus ein wenig kennengelernt. 


Casino: Wiederda!

Und dann war ganz schnell alles wie früher, und das ist in diesem Fall ein Kompliment und keine nostalgische Verklärung. Noch am Abend vor der Eröffnung sah es so aus, als ob da im Leben nicht innerhalb von nur 24 Stunden irgendetwas Veranstaltungsähnliches über die Bühne gehen könnte. Sicherungen flogen raus und konnten nicht wieder eingeschaltet werden, weil niemand an den Kasten kam. Die Tür hatte eine Klinke, ging aber nur mit Buzzer auf – und dann auch nur ganz langsam. Die Anlage stand nicht. Und viele Menschen bastelten mittelmäßig übernächtigt auf diversen Baustellen. Und nicht immer wusste der Eine, was der Andere tut. Der riesengroße Erfolg, das Haus quasi als Rohbau wiederzubekommen, hat halt einen Preis. Dafür sinkt das Risiko, aus Versehen ein weiteres tot saniertes soziokulturelles Zentrum in der Landschaft stehen zu haben, womit alle irgendwie ein wenig fremdeln. Und das war meine größte Sorge.

Bildquelle: Casino FHP/Instagram

Naja. Es war ein toller Abend. Und es war schon sehr schön, zur Feier des Tages da zu spielen. Es klappte ziemlich viel, und ziemlich viel ging ordnungsgemäß schief. (Unser Konzert begann nicht um 0:30 Uhr sondern um 3:15 Uhr, eigentlich bin ich aus dem Alter raus, wo ich gerne 24 Stunden am Stück wach bin.) Am Ende waren alle sehr müde, ziemlich viele Menschen waren sehr betrunken, aber soweit ich das überblicken konnte, hatten alle gute Laune. Ich auch. Genauso wie das halt sein muss.

Und als ich im Morgengrauen nach Hause kam, begrüßte mich K2 (in der Phase der Zweiwortsätze) mit einer Flasche Milch in der Hand, gerade aufgewacht, quietschvergnügt mit “Wiederda!” Was die Nacht auf ziemlich vielen Ebenen sehr gut zusammenfasst.

Geht da mal vorbei, wenn Ihr in Potsdam seid. Auf ein Bier, oder zu einer Party. Das lohnt sich.


Harry Potter

Aktuelles Hobby von K1: Wikipedia abschreiben.


Nordstrand, Rügen

Das erste Mal Ostsee dieses Jahr. Das muss wieder häufiger werden.


Herbst

Mottobilder “Herbst”. Weiß man auch immer nicht, ob das stimmungs- und wettertechnisch schön farbenfroh ist oder doch einfach weg kann.


Tropensturm

Facebook spricht vom “Tropensturm” Xavier. Und ich soll an die Intelligenz von Algorithmen glauben?


Basteln und Knöpfe drücken

Kind 1 verschwindet, wie erwähnt, mit Opa immer sofort im Keller. Nachdem der Roboterzoo gestern versorgt war und der Malroboter ordentlich beschäftigt wurde, durfte ich dann mit meinem Bastelprojekt vorstellig werden. Netzteil an Konverter an Controller kabeln bzw. löten. LEDs ran. Knöpfe drücken. Blinkt in bunt. Jetzt muss das nur noch einmal als Bühnenversion fertig gebaut werden und als zweite Variante in das bald anstehende Jugendzimmer von K1 in die CouchChillEcke geklebt werden. (Da aber mit Fernbedienung und ohne laut brummendes Netzteil) Und ich habe was “gebastelt” ohne dass ich löten musste.