Empörter Kommentator. Täglich.

Jetzt wieder täglich auf Eurosport: lahmes Ballgeschiebe, leere Stadien, fiese Grätschen, hohe Beine, kaum Tore, Fanfare, Tanz, Trommel, empörter Kommentator.
“Boah” “Man Mann Mann” “Das ist doch Wahnsinn” “Das gibt es nicht” “Oaahh” “Schschschsch” “Tschja”
Coupe d’Afrique des Nations dö miel duß.

Copy of P1180435
Angola.
Foto: Jake Brown, CC BY 2.0

Discgolf Winterimpressionen

Schön ist es draußen.

Fotos von Janne.

Podcast-Tipp

Mir fehlen die Gelegenheiten um ausführlich Podcasts zu hören. Mein Auto kann Radio und mit gutem Zureden auch noch Kassette. Ich gehe selten joggen und beim Fahrradfahren ist mir dann doch Musik lieber. Außerdem fällt es mir schwer, Sprache als Hintergrundrauschen laufen zu lassen. Lenkt dann doch ab. Entweder ich höre zu genau zu oder gar nicht mehr. Deswegen war mir die Welt der Podcasts immer ein wenig fremd.

Seit neuestem ist das anders. Voller Freude höre ich mir einmal pro Woche – immer Donnerstag – “The Big Show” von sportradio360.de an. Es ist unterhaltsam, kompetent und für den Genuss eines Podcasts auch sehr förderlich, dass die Macher meistens Sportkommentatoren sind und deswegen eine flüssige Sprachmelodie ins MP3 zaubern. Und wer von dem Rundumschlag nicht genug hat, kann zumindest was deutschen Ballsport außer Fußball und American Football betrifft, mit zwei anderen Sendungen noch tiefer ins Detail einsteigen.

Man darf sich von der Webseite nicht, die aussieht, als ob 1995 jemand zu viel in Dreamweaver rumgespielt hat, nicht täuschen lassen. Das ist ganz wunderbares Zeug. Mit der gesammelten Fachkompetenz von unter anderem Markus Gaupp, Markus Krawinkel, Frank Buschmann, Kai Pahl, Michael Körner, Andreas Renner und anderen. Wer es noch nicht kennt, anhören bitte. Wissen, Entertainment und Humor.

Webseite
iTunes

Holland vs. Beutolomäus

Prioritäten halt. Kurz vor sieben ist einfach Beutolomäus und Sandmann-Zeit. Schön, dass ich doch nicht auf die Auslosung zur EM 2012 verzichten musste. Danke liebes Internet, danke @aasport.

Jetzt freut sich das Kind auf Weihnachten und ich mich auf die EM. Vorrundengruppe von Format. Yeah!

 

Fernsehtipp

“Halbzeit” – der zweite Teil einer Trilogie von Dokumentationen in Spielfilmlänge über 5 hoffnungsvolle Nachwuchskicker, die aus der Jugend von Borussia Dortmund auszogen um Profifußballer zu werden. Der erste Teil erschien 2003, jetzt sind alle Beteiligten 26/27 Jahre alt. Und teilweise nicht mehr wirklich im Rampenlicht. Selbst Florian Kringe, der prominenteste der Fünf, gerät angesichts Götze & Co ja gerade etwas in Vergessenheit.

Am Donnerstag, den 1.12. um 23:15 Uhr im WDR Fernsehen.

Geht’s gucken.

Aktion Libero

Justin Fashanu, Gareth Thomas, Marcus Urban. Schonmal gehört? Nein, kein Wunder. Das sind jetzt nicht die bekanntesten Spitzensportler der Welt. Einer hat sich das Leben genommen, der zweite bekam den Stonewall’s Hero of the Year award für Etwas, was eine ganze Menge Kraft und Nerven kostet, gerade im Rugby. Und der dritte hat seine vielversprechende Fußballkarriere beendet, bevor sie richtig begann, weil der Druck zu groß war.

Fußball ist ein tolles Spiel, Sport an sich eine ganz großartige Sache, mit ganz vielen eigenen Codes, Ritualen, Traditionen. Und leider – obwohl es doch mittlerweile anders sein sollte – auch ein Hort der größten Vorurteile. Ich bin viel zu weit entfernt, von dem Innenleben des Systems Profisport. Ich kann nur erahnen, was für “Spielregeln” in einem Fußballklub gelten, was der vielbeschworene Druck der Medien wirklich bedeutet, was er anrichten oder zerstören kann. Einen Einblick in die Klatsch und Tratsch-Hölle bekommt man, wenn man sich Google-Referrer anschaut. “XYZ schwul” schickt die Suchenden auch auf diese schicke Webseite, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, hier keine abenteuerlichen und boulevardesken Theorien abzufeiern.

Was bleibt, wenn man sich das in den Statistiken ansieht, wenn man Bierhoff, Daum oder andere komisches Zeug quatschen hört, ist auf eine gewisse Art und Weise Fassungslosigkeit. Und man sollte sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass das kein folkloristisches und niedliches Gerede ist, sondern etwas, was 2011 gesellschaftlich geächtet werden sollte. Nämlich die weit verbreitete Homophobie im Sport, gerade in den sogenannten “Männersportarten”, die dafür sorgt, dass das Outing eines aktiven Fußballers in der Bundesliga etwas ganz und gar Unvorstellbares scheint.

Mir ist das auch nicht immer präsent, und auch deswegen, um sich das mal wieder richtig ins Bewusstsein zu rufen, ist das, was einige Leute hier auf die Beine gestellt haben, was ganz Großartiges. Ein Statement, nicht mehr und nicht weniger. Und vielleicht ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer Normalität, die es anderen Bereichen der Gesellschaft längst gibt.

Justin Fanashu war der erste Fußballer, der öffentlich bekannte, dass er homosexuell ist. Gareth Thomas war der Kapitän der walisischen Nationalmannschaft und sagte bei seinem Outing die weisen Worte: “I don’t want to be known as a gay rugby player. I am a rugby player, first and foremost I am a man” und Marcus Urban war ein hoffnungsvoller Nachwuchsspieler und studierte dann doch lieber Stadt- und Regionalplanung, anstatt sich im System Profifußball verstecken zu müssen. Heute betreut er das Expertennetzwerk “Fußball gegen Homophonie”.

Einige Menschen haben das in die Hand genommen, viele machen mit. Schön wäre es, wenn es etwas bewirkt. Das Folgende steht heute in vielen Sportblogs. Angereichert mit einer Menge eigener Gedanken. Mit viel Wissen und Kompetenz. Geht auf www.aktion-libero.de und schaut es Euch an. Lest Euch die Artikel der Anderen zum Thema durch. Das sind die Coolen, nicht die Stammtischparolendummschwätzer.

——————–

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

Fußball. Computer.

Eine Weile habe ich davon geträumt, das beste Computerspiel aller Zeiten zu entwickeln. Nicht im Sinne von “mehr Grafik, mehr Power, mehr, mehr, mehr” sondern im Sinne einer wirklich gelungenen und künstlerisch wertvollen Umsetzung einer tollen Idee. Zugegeben, das hörte Ende der 90er auf. Also ungefähr zu einer Zeit, wo ich a) etwas realistischer in allgemeinen Lebensfragen wurde und b) es langsam klar wurde, dass bei solchen Projekten eine gute Idee zwar nett ist, das ansonsten aber so mittel- bis riesengroße Projekte sind. EA Canada, die Produzenten der FIFA-Reihe, beschäftigen 2.000 Leute.

Mittlerweile strebe ich das also nicht mehr an, ich nehme mir ja auch nicht mehr vor, genreprägende Filme zu drehen oder so. Zumindest nicht im Moment. Mal sehen, wie das aussieht, wenn das Kind aus dem Haus ist, vielleicht kann man ja dann noch einmal Zeit dafür freiräumen. Außerdem langweilt mich dieses ganze Online-Gespiele. Ich verstehe den Ansatz intellektuell, auch das Gemache mit den diversen Trophies, Challenges, etc. Allein es berührt mich nicht. Aber das nur am Rande. Was über die Jahre erhalten geblieben ist, ist die Begeisterung für eine Idee, für das Medium an sich und für Menschen, die da mit Liebe zum Detail zu Werke gehen. Man könnte also sagen, so etwas wie eine “Kultur”. (Was meiner Meinung nach auch ein gutes Spiel auf einer medientheoretischen Ebene zu Kunst macht und nicht zu einer sinnlosen Zeittotschlagerei und Geldschneiderei, was wiederum noch einmal ein komplett anderes Thema ist.) Naja.

Die Idee bei den von mir sehr gemochten Sportspielen ist jetzt nichts Spektakuläres. Bei einem guten Fußballspiel, egal ob als Browserspiel wie hier bei bei Uli und Kalle, als Managersimulation oder als Sportsimulation wie bei den allgegenwärtigen FIFA oder PES-Reihen, ist die Idee ja nun relativ klar. Es geht um Fußball und nicht darum, wie bei Maniac Mansion, GTA oder MadTV mal soeben einen eigenen Kosmos zu kreieren. Muss ja auch nicht sein.

In den Tiefen der Fußballbloglandschaft stolperte ich heute über diese Videos, die die Geschichte der Fußballspiele für den heutigen Konsumenten zeitgemäß kurz und knapp auf Youtube zusammenfassen.

Und da zeigt sich hauptsächlich. Die Entwicklung der ganzen Fußballspielerei auf Computern war eine technische. Höher, schneller, mehr Power, realistischere Darstellung der voll-geilen-aber-eigentlich komplett überflüssigen Signature-Tricks von RonaldiMessiRooney. Und auf dieser Ebene sind auch die neuesten Veröffentlichungen, soweit ich das beurteilen kann, spektakulär. Nagut, etwas langhaarige Typen sehen immer noch so aus, als ob sie nen Duplo-Helm auf dem Kopf haben, die Frisur sitzt, egal wie hart der Sprint oder das Tackling, aber sonst. Beeindruckend.

Was sich aber im Laufe der Zeit nicht wirklich weiterentwickelt hat, obwohl man dafür nicht einmal wahnsinnige Performance-Maschinen bräuchte, ist die Übertragung der ganzen vielen kleinen Eigenheiten, die den Fußball liebenswert, spielenswert und erfreulich machen in das Medium “Spiel”. Wo sind die lustigen Ideen? Wo die kleinen Überraschungen oder netten Gimmicks?

Seien es die Retro-Elemente, die gerade in so einer traditionsaufgeladenen Geschichte wie dem Fußballgeschäft absolut angebracht wären. Oder die kleinen Anekdoten, die man in so ein komplexes Spiel einbauen kann? Das ist natürlich alles nicht wirklich wichtig für den Verkaufserfolg, das Online-Geschäft oder die Bewertung in der Fachpresse. Aber ich fände es schön.

Ich würde gerne mal mit Deutschland 1990 in den hässlichen Originaltrikots antreten. Mit einem Original-PAL 4:3 Filter und Old-School-Texteinblendungen. Oder Schwarz-Weiß in Wembley 1966. Oder mit einem gelangweilten Kommentator im Stil der 70er. (Ich fände es auch lustig, wenn mitten in einem Computerspiel Frank Rijkjard spucken oder Zinedine Zidane Kopfstoßen würde. Nicht plump jedes Mal, sondern nur einmal pro Jahr. Als Osterei.) Ich würde im DFB-Pokal gerne auf einem Dorfacker und nicht im Camp Nou antreten. Ich finde es blöd, wenn es in einer Bundesligasaison im Mai schneit. Ich will, ich will, ich will.

Ich weiß. Unrealistisch, es gibt ja nächstes Jahr wieder eine neue Version, die noch viel geiler und besser und spektakulärer ist. Aber ich warte immer noch auf ein Fußball-Computerspiel, dass mehr ist, als eine handelsübliche Simulation, nämlich ein Spiel, das die Fußballwelt mit all den Anspielungen und Zitaten und lustigen Begebenheiten auf das Medium überträgt. Also ein bisschen mehr Kunst und nicht ganz so viel Leistungssport.

Wenn ich mal reich und berühmt bin, kaufe ich also EA Sports und sorge dafür, dass man sich in Kanada (vielleicht auch ein Grund für die angesprochenen Mängel. Warum machen das die Kanadier, die sollen Eishockeyspiele bauen) mal richtig Mühe in solchen Punkten gibt. Solange muss ich das hier mit dem Uli und Kalle Managerspiel halt ein bisschen kompensieren.

Rot-Gelb-Grün. Alles klar!?

Hä? Wie vergibt denn der Kicker seine Noten, wenn die Jungs vom Schieri mit Rot beglückt werden? Dachte immer, man müsste mindestens 30min auf dem Platz rumtrollen, dann Theo Zwanziger beleidigen (oder eine irgendwie anders geartete Unsportlichkeit begehen) und erst dann kriegt man neben Rot noch die Note 6.0 vom Kicker. Aber das scheint wohl keine einheitliche Praxis:

6. Spieltag: Wiese Rot in der 17. Minute, Note 6.0
9. Spieltag: Fährmann Rot in der 28. Minute, keine Note
10. Spieltag: Boateng Rot in der 29. Minute, Note 6.0

Vielleicht kann mir das jemand genauer erklären?

Katastrophaler Fehler von Wolf, der den Ball einfältig gegen Mölders verliert.

Du *** ***, geh nach ***

Seit heute geistert die Nachricht durchs Netz. Der DFB Kontrollausschuss, Teil der DFB-Sportgerichtsbarkeit, hat die zwei Kommentatoren des BVB Netradios für ihr Wirken bei der Kommentierung des Spiels Leverkusen gegen Dortmund “bestraft”. Dickel und Rupert feuerten in ihrer Wut unnette Sprüche nebst Schimpfworten Richtung Wolfgang Stark, den Schiedsrichter der Partie. Habt Ihr nicht gewusst? Ich auch nicht. Streisand-Effekt und so.

Diese Welt der Beschimpfungen und emotionalen Ausnahmezustände, die sich auf eine Person konzentrieren ist mir ja fremd. Gerade im ersten Drittel einer Saison. Ich finde die Äußerungen der beiden auch nicht wirklich gelungen, naja. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Der interessante neue Fakt an dieser Geschichte ist für mich folgender. Als Reporter eines von einem Mitglied des DFBs (Borussia Dortmund) betriebenen Radios (ob Internet oder UKW ist ja erst einmal egal) steht man scheinbar unter der Sportgerichtsbarkeit des DFB. Das ist für mich – als juristischer Volllaie – zumindest fragwürdig.

Man hat ihnen jetzt eine Geldstrafe und einem von beiden eine – hihi – Sperre aufbrummt. Eine Sperre. Für einen Kommentator. Zwei Spiele darf er nicht kommentieren. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Der putzige DFB denkt, er kann die Welt erklären und alles, was ihm nicht passt genauso wie aufm Platz mit Gelben und Roten Karten regeln.

Natürlich werden die Kommentatoren nicht vor ein ordentliches Gericht ziehen oder einen Bosman-ähnlichen-EU-Prozess anstreben. Und natürlich finde ich Schiedsrichterbeleidigung auch bäh. Nur, ist Beleidigung nicht eigentlich etwas, was, wenn es nicht direkt im Spielbetrieb geschieht, von ordentlichen Gerichten zu klären wäre? Und ist es nicht ein übergriffiges Verhalten der Sportgerichtsbarkeit so etwas zu beurteilen? Läuft es nicht normalerweise so, dass die Sportgerichte etwas verhandeln, was auf so etwas wie einem Spielberichtsbogen steht? Wer war eigentlich der Kläger in diesem Fall?

Ich hätte mich auch gerne auf der DFB-Seite darüber informiert, die Höhe der Geldstrafe und die Begründung nachgelesen. Nur, die Nachricht ist dort noch nicht einmal verkündet.

Diese Sportverbände, die denken sie sind ein Staat im Staat … immer wieder faszinierend und schockierend …

gehts raus und spielts fußball