Juli 2022

Sommerhitze. Schon früh am Morgen glüht der Asphalt.

Sommerunwetter. (Verschiebt Kita-Aufführungen und bringt Zeitpläne durcheinander)

Tschüß Friedenshaus. Tschüß Kita.

Hmmpfft. Die Tage werden schon wieder kürzer. (Jammern auf hohem Niveau)

Ach, Musik. Und Sommerabende.

Sommer-Discgolf-Idylle im BuGa Park.

Highlight-Aufritt auf der WagenHausBurg. Inklusive Pyro und lauer Sommernacht.

Localize Potsdam. Immer wieder schön. Diesmal auf dem alten Postgelände hinterm Telegraphenberg.

Blumen auch schön. (Brauchen viel Wasser im Moment.)

Sehr warm. Auch im Schatten.

Potsdam ist schon ziemlich schön. Im Sommer. Vom Wasser.

Fototapetenschön. Und man kann wirklich an vielen Stellen auf ganz unterschiedliche Arten baden gehen.

Knallsüß und sehr lecker.

Detect-Festival. Ach. Ein wundervoller Abschluss des Monats. Was Bilder nur sehr unzureichend wiedergeben können. Selbst wenn sie deutlich besser wären als diese. Bilder stützen ja Erinnerungen. Diese Erinnerungen brauchen allerdings gar keine visuelle Stütze.

(Randbemerkung: Ein wirklich liebevoll und aufwändig produziertes Festival. Mit unglaublich gutem Klang – mag ich sehr, ist einfach wirklich schön, Musik mit guter Anlage zu hören – und sehr angenehmer überschaubarer Besucheranzahl. Ist mir völlig egal, ob sich sowas finanziert, trägt, wirtschaftlich ist. Liebe Fördermittelgeber, gerade liebe Staatsministerin für Kultur und Medien, macht das mal, fördert sowas und noch 723 andere Wald- und Wiesen-Musik-Theater-Sonstwas-Festivals für Klassik, Techno, Stoner Rock, was auch immer. Das ist so viel besser angelegt als viele andere Sachen, worauf ihr Geld werft. Looking at you, Garnisonkirche Potsdam!)

Das letzte Bild des Monats: Prenzlau. Nun. War ich auch noch nie. Hat einen See. Ganz hübsch, eigentlich. Und dieses Bild steht dann exemplarisch als Erinnerungsstütze für die diversen ungewöhnlichen Dinge, die diesen Monat unfotografiert passiert sind.


Juni 2022

Im Sommer und im Abendlicht ist Potsdam schon an vielen Ecken schön.

Kurz nicht hingeschaut. Tisch bemalt. Papier war halt alle.

Doch. Schöne Frisuren. Und beeindruckend große Tiere.

Das auch im Juni schöne Motiv. Idylle plus Erfrischung. Plus schöne Erinnerungen. Immer wieder.

Und jetzt müssen (dürfen) wir wieder in den Proberaum

Kellerparties, beste Parties.

Open Air und live ist aber auch gut.

Selbsterklärend.

Blumen brauchen Wasser. Regnen tut es selten.

Bratkartoffeln riechen gut, schmecken. Einziger Nachteil. Wird noch wärmer in der Wohnung.

Volkparkfrisbeegolfblumenidylle.

Oma wäre dieses Jahr 102 geworden. Traditionen sind schon auch was schönes.

Habe ich erwähnt, dass das Motiv nie langweilig wird?

Der Juni endet mit und am Wasser. Sommer. Schon schön. Baden gehen. Mal hier, mal da. Mal tagsüber, mal Abends. Mit den unterschiedlichsten Farbtönen im Abendlicht und auch sonst. Und Musik. Aber die kann man schlecht fotografieren.


Mai 2022

Endlich wieder im Proberaum

Und auf dem Rückweg bei der Fahrt durch die Provinz Musik hören.

Und. Endlich. Wieder. Live. Spielen. (Im Modus live im Casino). Das hat schon ganz schön gefehlt.

Genau wie Sommerabende an der Feuertonne.

Ein Stück Normalität quasi.

Waschmaschine. Erst kaputt. Dann wieder ganz. Puh.

Teilweise schon sehr sommerlich. Der Mai. Auf dem Bassinplatz dröhnen jetzt die Boom-Boxen. Die Jugend hört scheinbar unironisch Schlager. Nunja.

Zeit für Eis.

Und Feen-Flügel.

Die Tee-Zeit ist deswegen noch lange nicht beendet.

Und Bratkartoffeln sind zwar auch kein typisches Sommer-Essen. Riechen aber intensiv und gut.

Ziemlich schön. Die Stadt, abends. Bei Nacht. (Ich hoffe weiterhin sehr, dass die Sommerzeit irgendwie erhalten bleibt. Also. Meinetwegen kann die Winterzeit abgeschafft werden. Aber diese Abende, an denen es lange hell ist, es irgendwann langsam dämmert. Und noch ein bisschen Licht zu sehen ist, auch wenn es spät ist. Die würde ich schon sehr vermissen. Und um 20 Uhr fühlt sich das irgendwie anders an)

Das nicht langweilig werdende Motiv der Badestelle gegenüber vom Marmorpalais.

Die Lampe rechts ist neu. Ansonsten natürlich weiterhin sehr schön.

Und gegen Ende des Monats wird es plötzlich wieder kühler. Regen. Sonne. Sturm teilweise. Verrückt. Oder normal.


Uli und Kalle – Saison 2021/22

Die Fußball-Bundesliga und ich. Wir hatten ein etwas schwieriges Miteinander diese Saison. Das färbte natürlich auch auf das am längsten laufende Managerspiel der Welt ab. Und wenn ich mir die etwas schrumpfende Zahl der Mitspieler so anschaue, ging das scheinbar nicht nur mir so. Ich entschuldige mich in aller Form für die teilweise wirklich lange dauernde Auswertung einzelner Spieltage, die Beantwortung von Fragen und die Fehlerbehebung.

Aber jetzt ist erst einmal Sommerpause. Und tatsächlich empfand ich mit dem Ende der Saison und den durchaus beeindruckenden Europapokal-Abenden wieder so etwas wie Fußball-Freude. Vielleicht schlägt sich das ja auch auf die etwas brachliegende Weiterentwicklung nieder.

Jetzt erst einmal die Siegerehrung. In der Original-Liga schlägt der Rekordmeister Überstern Galaktika mit seriösen 1.200 Punkten zurück.

  1. 1201 Überstern Galaktika
  2. 1107.5 Helsinki IF
  3. 982 Hollywood Strikers
  4. 935.75 The LoveSaviors
  5. 925.5 Allez-les-Bleus!

In der allesausseraas.de Liga braucht es deutlich mehr für den Titel. Herzlichen Glückwunsch The Muffin Men

  1. 1346.5 The Muffin Men
  2. 1221.5 TSV Strunzenöd-Haidhausen
  3. 1134 Spandau Eagles
  4. 1020 RedArmyFC
  5. 1007 Herta BSE

Bei den drei verbliebenden Teilnehmern weiß ich nicht wie ernst die Wettbewerber die Kreisliga Waldeck noch nehmen. Vermutlich ähnlich ernst wie Borussia Dortmund den UEFA Cup. Vielleicht ist der FC Burners ja dann Eintracht Frankfurt?

  1. 1307.5 FC Burners No.7
  2. 1124.5 Eintracht Hörle
  3. 937 2. SG Albern Berlin

Allen Gewinnern und Platzierten gehört digital und symbolisch dieser Pokal, der analog natürlich im Kinderzimmer bleiben muss. Besorgt Euch selbst eine Kopie.

Ich mache den Transfermarkt demnächst zu und dann sehen wir uns in alter Frische oder mit neuen Gesichtern Anfang August wieder.


April 2022

Es wird Frühling. Nachts auf dem Bassinplatz.

Mit Aprilwetter. Aber Frühling.

Coffee to go und mit Aussicht.
Noch ist es 21.45 Uhr dunkel und beim Autofahren durch Berlin und dem großen Kind zuhören gibt es ein Lichtermeer.

Das kleine Kind malt mir derweil Esel auf das Homeoffice Flipchart.

Und lässt mich Schnecken aus Kapla Bausteinen bauen.

Zwischendurch scheint die Sonne.

Oder es stürmt.

Gewöhnlichkeitsunterbrechung Teil 1

Am Ende der Welt

Mit durchaus viel Wasser und Schnee.

Und dem unverwechselbaren Licht und der Stimmung auf der Laugavegur.

Kaum zurück. Alles grün. Oder weiß. Oder Rosa.

Gewöhnlichkeitsunterbrechung Teil 2. Hach. Danke.

Erwachsen oder nicht. Ist eigentlich egal. Kindern beim groß werden zuzuschauen ist schon bewegend.

Und Schwupps ist Mai. Zeit vergeht. […] Und in Wirklichkeit ist alles noch da.


März 2022

Potsdam am Wasser ist schon schön. Besonders im sonnigen und kalten Frühling. Wären die Hochhäuser weg, könnte man vermutlich Sanssouci sehen.

Kein einziges Mal gefrorene Seen diesen Winter. Nur eine kleine Eisschicht Anfang März.

Wollsocken also noch durchaus angemessen.

Merke: Wenn die Benzinpreise am höchsten, dann lohnt sich der erste wirklich weite Tagestrip mit dem Auto am meisten.

Ausflug zu den Großeltern und in die Vergangenheit. Das Los des ersten Enkels. Man kann “Blumenkind bei einer NVA Hochzeit” in den Lebenslauf eintragen.

Zweiter Ausflug in die Vergangenheit. Nach mehr als 2 Jahren wieder im (mittlerweile nicht mehr aktuellen) Büro. Das Kanban Board ist Stand März 2020.

Landflucht

Manchmal auch nachts.

Und im Nebel.

Endlich wieder im Proberaum.

Und endlich wieder Frühling. Schön.


Februar 2022

Eine Konstante. Derzeit. Mia als ständige Begleiterin. Ob als Hörspiel, im “App-Gerät” oder in Kostümen.

Kurz nach der Professionalisierung der Steckerei (mit kombinierbaren Platten) war diese Phase dann auch beendet.

Relativ viel Grau und Regen. Aber Februar ist auch der Monat, in dem die längeren Tage sich langsam deutlicher bemerkbar machen.

Und immer mal wieder gibt es einen Hauch von Frühling. Oder zumindest blauen Himmel.

Während das Kind sich mit Pferden vergnügt, kurzer Abstecher zu einem Ort der Kindheit/Jugend.

Rechenzentrum. Ob als Kulisse. Als Ort zum Sein. Als Arbeitsplatz. Als vielleicht bald Computer-Spiel oder als Bestandteil von stadtpolitischen Debatten. Nagut. Die stadtpolitische Debatte dreht sich eigentlich diesen Monat um die Baustelle nebenan und das leicht mafiös riechende Schnellball-Fördermittelbetrugssystem, mit dem die Garnisonkirche vielleicht wieder aufgebaut wird.

Immerhin einmal (das erste Mal seit September) wieder im Park zum Frisbee Golfen.

Sturm. (Tiefdruckgebiete mit X, Y und Z) Schmeißt Schilder ins Wasser und Bäume um.

Und schmeißt auch Blumen im Raum im RZ um. (Altes Fenster. Ging eigentlich gar nicht auf. Deswegen standen Dinge davor. Auf der Fensterbank. Der Wind hat es aufgedrückt. Haufen Dreck und alles durcheinander. Aber nichts kaputt.)

Die Sonne steht jetzt wieder so, dass es schönes Abendrot Richtung Charlottenstraße/Potsdam West gibt.

Corona ist und bleibt ein Drecksvirus und eine Plage. Auch wenn sich an dem 24.2.2022 noch ganz andere Themen besorgniserregend über vieles legen.

Spazieren gehen und Seeblick machen Kriege in Europa nicht ungeschehen, helfen aber trotzdem.

Unangenehmes Montagsritual. “Dramonstrationen” (O-Ton, 6-jähriges Kind) begleitet von Pferdestaffeln. Kundgebung und Gegenkundgebung, die kaum zu unterscheiden sind, im Grau der Nacht. Wirkungsvolle, kreative, künstlerische und diskursive Positionierungen scheitern nicht an mangelnden Ideen und Engament sondern an haltungsloser provinzieller Kleinkariertheit. (Oder Dummheit) Potsdam halt.

Und zum Schluss. Das große Kind ist jetzt 14. Zeit vergeht. Oder wir. Eine Frage der Perspektive vermutlich. Dass gründlich zu durchdenken, dafür ist ja Zeit. Bald ist Frühling.


Januar 2022

Doch. Immer mal gab es Stunden, Tage, an denen das Januar-Grau Pause machte.

Ständige Begleiter.

Winterhochdruckwetter ist besser als Wintertiefdruckwetter.

Bassinplatz. Riesenrad wird abgebaut. Ein seltsames Schauspiel beginnt, meistens Montags, in der Innenstadt. Wer ist wer? Wer hat den Verstand verloren? Wer nicht? “Oh, eine Dramonstration”, sagt das kleine Kind.

Quarantäne Teil X (Überblick verloren) für das Kita-Kind. Wunderlichkeiten halten sich bis auf die Frühstücks-Bestellung “Müsli und rohe Schinkenwürfel” in Grenzen.

Pandemie-Routine: Wenn Kind mal wieder zu Hause und kurz Zeit. Dann Brandschutzunterweisung in der Badewanne.

Immerhin einmal Schnee.

Auch Routine. Trainiert langfristige Vorfreude. Nun.

Gelegentliche Landflucht. Weit weg ging es ja nicht. Ich glaube, ich habe dieses Jahr noch nicht getankt.

Jetzt auch alle Kinder mit allen empfohlenen Impfungen durch.

Ganz langsam, wird es langsam wieder heller. Merkt man vor allem morgens.

Und immer wieder Kiasmos.


Schöne Weihnachten

Ein ungewöhnliches Jahr. Trotzdem oder genau deswegen. Schöne Weihnachten. Allen, die hier weswegen auch immer vorbeischauen. Habt es schön. Und hört Musik. Ist im Moment deutlich besser für das psychische Wohlbefinden als Nachrichten zu lesen.


Weihnachtsmarkt weg. Riesenrad an. Nanu?

Fährt ein bisschen vor sich hin. Scheinbar immer mal mit Passagieren. Leise melancholische Weihnachtsmusik. Platz ist leer. Merkwürdige Athmosphäre.


Achtung: Harter Winter.

Memo an mich selbst. Lieber Musik machen, als sich über Dinge aufregen, die nur sehr begrenzt beeinflussbar sind. Tee trinken. Und lieber weniger als mehr Nachrichten und/oder Social Media lesen.


Weihnachtsmarkt weg. Riesenrad noch da. Aber aus.

Weihnachtsmarkt abgebaut. Nur das Riesenrad steht noch. Die Beleuchtung ist aus. Sodass man dort hindurch die Lichter in den Fenstern des Bergmann-Klinikums sieht. Komische Zeit. Ohje.


Kellerarchiv und Rock’n’Roll in der Kleinstadt

Die große Tochter sucht Vintage Deko für ihr Zimmer. Auf der Suche danach im Kellerarchiv finden sich erstaunliche Dinge. Was ne andere Zeit.

Ich hatte das ursprünglich mal auf Twitter als Thread veröffentlicht. Und dann ist mir eingefallen, dass es ja dieses Blog gibt, damit ich das alles irgendwann selbst wiederfinde.

Oder die Entstehung meines Twitter-Namens. Damals im alten Spartacus. Mit Aggro-Berlin-Kindern, die erst Ruhe gaben, als @EllenAura sagte: „Dich kenne ich ausm Wildpark-Bus“

Minh-Fashion und Cem Efe Fanclub präsentieren …

Schau ans Firmament, weil da das Z brennt. Oder so. Auch auf Nico Gehns Mini.

Lokalpresse ftw.

Wenn ein Lokaljournalist versucht feuilletonistisch über ein HipHop Festival zu schreiben. Ich erinnere mich, dass wir kein Wort verstanden haben, die Formulierung „Samples aus der Ritze DJ A-Beats“ aber in den spätpubertären Sprachgebrauch aufgenommen wurde.

Plattencover und Notizzettel. Erstaunlich unkronket, die Aufforderung. Wann ist denn „morgen früh“. Und wer sollte wen wecken? @EllenAura

Die Zeit der selbst gedruckten Cover und gebrannten CDs.

Knallhart Zigarettenwerbung damals auf den Flyern der Jugendclubs.

Naja. Ende von Lied. Meine ganzen Erinnerungen findet das Kind „lustig“. An die Wand klebt sie sich aber Vinyls und alte Ausgaben vom Neuen Deutschland mit schlimmster Propaganda („Die sehen so schön Vintage aus“. Ja, wir haben darüber gesprochen und ich habe es erklärt!)


Homeoffice Kopfhörer

Ich hatte gehofft, das Ding hält bis zum Ende der Pandemie. Nunja.


Riesenrad aus. Mond an.

Wird sich noch zeigen, ob das mit den morgen startenden Weihnachtsmärkten eine gute Idee ist.


Roy kann Late-Night

Verrückt. 2021. Immer noch Corona. Genau wie letztes Jahr. Und die Kleinkunst-Ideen, die im ersten Jahr der Pandemie geboren wurden, leben immer noch. Deswegen geht die “Im Modus“-Late-Night-Show auch in die zweite Staffel. Passend zum jetzt eigentlich wieder anstehenden Lockdown. (Egal, wie man den dann nennt). Ach, das macht schon alles Spaß. Tolle Gäste haben wir auch wieder. Und trotzdem liegt so ein melancholischer Schleier auf Dingen, die man aus Sicherheitsgründen ausschließlich streamt. Man, ey. Wir sind ja eigentlich eine Band, die von der Publikumsinteraktion lebt. Naja. Den einen Winter halten wir jetzt auch noch durch. Irgendwie. Mit Kleinkunst.

Für Menschen außerhalb Potsdams ist das vermutlich alles wenig spannend, wir sind schließlich mit lokalen Akteur:innen der hiesigen Kultur auf der Suche danach, ob es so etwas wie eine Szene gibt. Aber ich finde die Idee immer noch hübsch. Alle bisherigen und dann die neuen Folgen gibt es hier.


Menschenleere Fußgängerzone

So schön wie seltsam. Gut ist kurz nach 11. Und in der Woche. Aber irgendwie auch obskur bis bezeichnend. Für Potsdam.


Herbst

Klarer Morgen, trotzdem trifft die Sonne am Wochenende beim Brötchen holen nur noch das oberste Stockwerk. Hallo Wollsocken. Hallo Herbst und Winter.


Fufanu “Sports” oder das herausgezögerte Ende einer Ära

Wer sich das Folgende musikalisch vorstellen möchte, kann dieses Album bitte nebenbei laufen lassen. (Youtube, Spotify)

Am 27. Februar 2017 habe ich ein paar Alben gekauft, hauptsächlich isländische Musik. Bei Amazon, Morr Music und Bandcamp. Nach meinen Erinnerungen waren das die letzten CDs, die ich jemals erworben habe. Kurze Zeit später flog der CD-Player aus der Wohnung, Spotify zog ein und physikalische Tonträger gab es höchstens noch als Vinyl.

Die meisten CDs landeten in einem Regal in meinem Büro/Tonstudio/Quatschraum, wo es noch eine Abspielmöglichkeit gibt. Und einige wenige im Auto. Das ist nämlich von 2008, hat einen 6-fach-Wechsler und ein Umbau auf sowas wie einen USB-Anschluss würde mehr kosten als das Auto jetzt noch Wert ist (Danke, VW!). Vier der sechs CDs sind seit 2017 unverändert in Fach 2, 3, 5 und 6. Und begleiten mich seit dieser Zeit.

Meine kleine Tochter wurde Ende 2015 geboren und fährt ganz gerne Auto. Und hört gerne Musik. Außerdem hat sie sehr früh die Eigenart entwickelt, nur noch bei fahrendem Auto Mittagsschlaf zu machen. Egal wie notwendig dieser ist oder wie komfortabel das Bett: Keine Chance, wenn es nicht brummt und sich bewegt. Ich bin diverse Ehrenrunden auf dem Weg zu Omas und Opas durch die Brandenburger Landschaft gefahren. Bin im Ostseeurlaub extra aufgebrochen eine sinnlose Runde bis zur Insel Fehmarn und wieder zurück. In Kroatien einmal die Küste langgezuckelt. Alles, damit das Kind mal schlafen kann. (Ökologisch zweifelhaft, aber ein komplett übermüdetes unausgeschlafenes Kind ist auch nicht gut für die Klimabilanz)

Seitdem sie sprechen kann, heißt die Platte in Fach 2 (“Sports” von Fufanu) “Automusik” (gelegentlich auch “Lieblingsmusik”). Und ist immer der Start zu einer Fahrt. Klassische Konditionierung würden die Psychologen sagen. Oder frühkindliche Erziehung zu gutem Musikgeschmack. Auf jeden Fall der Test, ob das Kind müde ist und schlafen sollte. Das Geplapper lässt meist innerhalb der ersten zwei Songs nach und das Kind schaltet in einen Chill-Out-Modus. Mit meiner großen Tochter wette ich gelegentlich bei welchem Track das kleine Kind einschläft. “Tokyo” (#3) heißt sehr müde. “Just Me” (#5) ist so mittel. Manchmal dauert es auch bis “Syncing in” (#8). Ist die ganze Platte mit 43:25 durch und die Augen sind immer noch geöffnet und gucken aus dem Fenster, muss man keine Extra-Runden mehr fahren. Dann wird heute nicht geschlafen, aber geruht ist ja trotzdem nicht schlecht. (Es folgt dann in Fach 3 “Sundur” von Pascal Pinon, das ist ruhig, man kann es schön durchhören und dabei entspannt ankommen bzw. von den Nebenstraßen Richtung Ziel abbiegen.)

Ich vermute deswegen, dass ich (und die kleine Tocher, die allerdings schlafend) der Mensch bin, der diese hervorragende aber kommerziell nicht besonders erfolgreiche Platte am häufigsten auf der ganzen Welt am Stück gehört hat. Sicher, die “Nevermind” von Nirvana oder einige andere – wie sagen intellektuell klingen wollende Musikzeitschriftsredakeure gerne – Scheiben in meiner Jugend schaffen eine höhere Zahl. Aber wir hatten ja damals nix. Schon gar keinen unendlichen Zugriff auf alle Musik dieser Welt und auch keinen nervösen Finger auf der “Next”-Taste.

Die Ära der “Alben”, die man am Stück hört, scheint zu Ende zu gehen. Single-Release hier, 6-Track EP da, Extended Version mit 27 Remixes dort. Was früher Mixtapes waren, sind heute Playlisten. Auch schön. Dadurch dass sie aber viel schneller erstellt und beliebig verteilt werden können auch ein natürlicher Feind des Albums. Und außerdem würde die Band selbst für die absurd vielen Male, die ich das Album gehört habe, nach der Spotify Arithmetik weniger bekommen, als ich damals für die CD bezahlt habe. Deutlich weniger. (Aber dass Spotify für Künstler eine Drecksfirma ist, steht auf einem ganz anderen Blatt)

Nunja. Ich will jetzt auch nicht den snobistischen Musik-Connaisseur raushängen lassen. Ich glaube, ich habe erst kürzlich das allererste Mal ein ganzes Album auf Spotify am Stück gehört. (Ungewöhnlich und außerdem auch noch eine Late-Night-Tales Platte, also eigentlich auch eine “Playlist”) Es ist aber schon schön, diese Kultur der Alben durch die Sondersituation “Auto, Kind, Mittagsschlaf” noch im Leben zu haben. Es ist, als ob ich damit diese Zeit, die vorbei ist, noch etwas wachhalten und den Kindern weitergeben kann. Auch wenn das mit dem Weitergeben genauso eine Illusion ist, wie der Glaube, wenn die Kinder möglichst viel – in meinen Augen – gute Musik hören, bleiben ihnen schlimmste Geschmacksverirrungen im Teenageralter erspart.

Egal. Danke, Fufanu. Für diese Platte. Für viele Mittagsschlafe (Wie ist die Mehrzahl von Schlaf eigentlich?) und ein beim Autofahren meist tiefenentspanntes Kind. (Das ist auch insofern ungewöhnlich, weil Fufanu live wirklich ein schön brachial lautes Schrammelspektakel ist)

Der Vollständigkeit halber: In Fach 5 ist “Nolo“, eine isländische Syntie-Pop-Band, die es nicht mehr gibt mit dem Album Human, in die ich verliebt bin, seitdem ich sie beim Iceland Airwaves live gesehen habe. Und in Fach 6 der Gus Gus Klassiker “Mexico“.

Fach 4 beherbergt immer eine selbst gebrannte CD mit aktuellen Mixen eigener Musik, die ich Probehören möchte. In Fach 1 war eine Zeitlang Kaleo mit A/B (isländische Rockmusik), mittlerweile ist es immer eine CD der ungekürzten Lesung der Känguru-Offenbarung. Das mag das kleine Kind auch und möchte deswegen gelegentlich “Schredder” genannt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.


Taschenspielertricks

Ich kann mich erinnern, dass mir das folgend beschriebene beim Lesen auch auffiel. Und dann habe ich es vergessen. Vielleicht, weil ich als Mann von solchen Dingen nicht betroffen im Sinne von getroffen bin. Was es eigentlich umso wichtiger macht, das immer wieder zu thematisieren. Deshalb an dieser Stelle eine Gastbeitrag von Laura.

Am 12. August veröffentlichte die PNN einen Artikel zur Halbzeitbilanz der Kultur- und Bildungsdezernentin der Landeshauptstadt Potsdam Noosha Aubel. Für diesen Artikel wurden die Fraktionen der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung nach einer Einschätzung gefragt. Herr Kirsch vom Bürgerbündnis lässt sich in dem Artikel mit den Worten zitieren:

„Frau Aubel sieht nicht nur gut aus, sie ist auch fachlich kompetent.“

Wenn ich mich über jeden sexistischen Spruch aufregen würde, der mir über den Weg läuft, hätte ich keine Zeit mehr für andere Dinge, aber für diesen einen möchte ich mir kurz Zeit nehmen. Er ist nämlich so ein perfektes Beispiel, an dem man das Prinzip mal gut demonstrieren kann.

Ich kenne Herrn Kirsch nicht, und weiß nicht, wie es in seinem Herzen aussieht. Vielleicht ist er ein alter, aus der Zeit gefallener Mann. Vielleicht glaubt er wirklich, seine Worte wären ein Kompliment und nicht die Beleidigung, die sie sind. Vielleicht weiß er aber auch ganz genau, was er da tut. Vielleicht ist er einer von den vielen Menschen, die Worte wie diese gezielt einsetzen, um Dominanz zu demonstrieren.

Wir kennen alle einen solchen Mann. Er kommt z.B. immer zu jedem Termin ein kleines bisschen zu spät. Das liegt nicht etwa daran, dass er nie gelernt hat die Uhr zu lesen oder daran, dass er wahnsinnig schlecht organisiert ist. Er macht es, bewusst oder unbewusst, um sich selbst eine Bühne, einen echten Auftritt zu verschaffen. Alle sitzen schon und seht her, nun komme ich. Kinder, es geht erst richtig los, wenn der Papa da ist. Eine andere beliebte Technik dieser Männer ist die kurze, fast nicht merkliche Pause zwischen Anrede und Namen. Sie sagen nicht etwa „Guten Tag Frau Müller.“ Sie sagen „Guten Tag Frau… Müller“. Übersetzt: Sie sind so unwichtig, dass ich Probleme habe, mir ihren Namen zu merken. Das sind subtile Signale, die der Umwelt und auch sich selbst immer wieder zeigen sollen: Ich bin hier der Größte.

Nun also Herr Kirsch. Das in der PNN abgedruckte Statement war mitnichten ein schnelles, unbedachtes Wort, was in einem ungünstigen Moment in ein Mikrofon gehaucht wurde. Die Zeitung fragte die Fraktionen schriftlich an. Herr Kirsch setzte sich also an einen Computer und hatte mindestens ein paar Minuten Zeit, sich zu überlegen, was er da zurück schreibt. Das spricht für Vorsatz.

Nun sagt er zwei Dinge über Frau Aubel. Sie ist kompetent (eine Einschätzung, die er mit tatsächlich allen anderen Stadtverordneten teilt) und sie sieht gut aus (eine Thematik die von allen anderen unerwähnt bleibt). Im Kontext der Bewertung von Frau Aubels Arbeit in den letzten Jahren bietet sich eine Aussage über ihr Äußeres in keiner Form an. Nun spricht er das Thema aber nicht nur an, er stellt es auch der Kompetenz voran. Erst das Äußere, dann, fast wie eine Fußnote, die Kompetenz hinterher. Die Torte ist das Aussehen, die Kompetenz nur die Kirsche obendrauf. Der Bonus, das Unerwartete. Stell dir vor, sie sieht nicht nur gut aus, das wäre ja eigentlich genug, nein sie ist zusätzlich auch noch fachlich kompetent. Der Wahnsinn. Hat man sowas schonmal gehört? Das Einhorn unter den Frauen.

Diese persönliche Herabwürdigung ist ärgerlich, armselig, billig und durchschaubar. Es ist ein rhetorischer Taschenspielertrick, auf den Menschen zurückgreifen müssen, die keine Substanz haben. Was macht man, wenn man sich weder durch Haltung, Meinung, Inhalte oder, ja, Kompetenz Respekt verschaffen kann, aber trotzdem gern ein starker Typ wäre? Man holt Opas alten Instrumentenkoffer unter dem Bett hervor, pustet den Staub weg und kommt von nun an immer ein kleines bisschen zu spät zu Terminen. Es ist auch nur folgerichtig, dass Herr Kirsch sich in seiner Spitze auf Äußerlichkeiten konzentriert. Menschen ohne Substanz haben immense Probleme, die Substanz in anderen wahrzunehmen. Blender gehen immer davon aus, dass alle anderen eigentlich auch nur so tun. Eine Person, die einen guten Job macht und dabei gar nicht mal schwindeln muss, oder sich eine vollkommen künstliche Identität konstruiert, ist nicht wirklich vorstellbar für diese Menschen.

Ärgerlich, armselig, billig, durchschaubar. Ich freue mich auf den Tag, an dem so etwas endgültig nicht mehr vorkommt. Es wird noch eine Weile dauern. Aber ich möchte noch eins klarstellen. So nervig diese Sprüche auch sind, dieser Klimperkram wird uns gesellschaftlich nicht aufhalten. Frauen haben schon ganz andere Hürden genommen. Wir arbeiten weiter gemeinsam an einer Welt in der Menschen aller Geschlechter sich respektvoll begegnen.