Meditative Sportarten

Ich bin ein großer Freund von meditativen Sportarten. Zu meinen Fernsehsporthighlights gehören Veranstaltungen wie die Tour de France, von der mich weder die Enthüllungen um Ulle und Ivan Basso noch das Beschäftigen mit diesem eigentlich brotlangweiligen Ereignis im Rahmen meiner Diplomarbeit heilen konnten. Auch der Snooker-WM in Sheffield schenke ich gern und wiederholt meine Aufmerksamkeit, noch dazu wo hier im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, keine aufgeregte Heiterkeit, ob der Deals über Autobiografien oder der neuesten Abenteuer von Hagen Boßdorf herrscht. Hier regiert Rolf Kalb mit zutiefst britischem Understatement. Großartig.

Im Moment schaue ich jeden Morgen nach dem Aufstehen auf die Wetterdaten in Valencia. Das Schweizer Schiffchen Alinghi gewann, wie wir alle wissen, vor 4 Jahren vor Neuseeland überzeugend den America’s Cup, die [beliebige Superlative einfügen] Trophäe der Welt. Da die Eidgenossen nun über wenig hochseetaugliche Regattareviere verfügen haben sie sich Spanien als Austragungstätte ausgewählt. Das mit dem Wind ist trotzdem, laut Experten aufgrund des warmen Winters, so eine Sache. Wenn dann aber gesegelt wird, ist das eine wunderbare Form der Entspannung. Keine angedeuteten oder im letzten Moment zurückgezogenen Faustschläge, keine Tore aus 60 Metern, keine hyperventilierenden Kommentatoren. Außerdem hat mein Lieblingsspartenfernsehsender aus unerfindlichen Gründen die Live-Ãœbertragungen an Bord gezogen (hey, Segelmetapher). Sonst fallen wir ja nur dadurch auf, dass wir die Lindenstraße gerade von Folge 1 wiederholen und ganz viel tollen Rockpalast im Programm haben, den kaum jemand guckt.

So kommentiert dann jeden zweiten Tag der famose Jörg Klawitter aus der 293 lustig Segeln und weil irgendjemand (keiner weiß wer) in der großen ARD auf irgendeinen bunten Knopf gedrückt hat, kann man das an ARD Tagen (Das ZDF macht da auch irgendwas) auch im Internet-Live-Stream gucken. HIER bzw. Hier. Jetzt habe ich also im Wohnzimmer Eurosport und Snooker an und auf einem Computer America’s Cup laufen. Herrlich. Entspannend. Das größte Aufreger heute. 15:40 A Crewman has fallen off China Team. Aber nur im Ticker. Im Bild sieht man sowas nicht. Die Nerven. (Die Chinesen sind übrigens das M’gladbach des Louis Vuitton Cups, der Herrausforderrunde, die gerade läuft)

Die ganze Chose läuft noch bis Mitte Juli. Auf americascup.com gibts die Termine. Irgendjemand sagte mal, das ist wie Formel 1 in Zeitlupe. Sehr teure Wunderwerke der Technik fahren gegeneinander um die Wette und eigentlich passiert nichts. Hier dann mal ganz ganz langsam. Die Verletzungsgefahr ist auch deutlich geringer. Und genau das richtige Valium bevor der Bundesliga Endspurt beginnt und mir Lucio, van Bommel und Simunic mit ihren Minuspunkten wieder graue Haare bringen.

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