Lexikon der Fußballberichterstattung – Das 6-Punkte-Spiel

Mit diesem Begriff möchte der journalistische Spielbegleiter ausdrücken, dass das Spiel wichtig für alle Beteiligten sei. Ein 6-Punkte-Spiel ist ein solches meistens nur vor dem Anpfiff, weil man nach Spielende meistens feststellt, dass es wider Erwarten doch nur drei Punkte für den Sieger gab. Wenn ein 6-Punkte-Spiel sehr spektakulär und dramatisch war, hat es gute Chancen ein ->Spiel des Jahres oder ->Hammerspiel zu werden.

Nun muss man sich auch als distanzierter Beobachter auch nicht dümmer stellen, als man ist. Gemeinhin stützt sich die Milchmädchenrechnung auf folgende Annahme.

Mannschaft A steht gegenüber Mannschaft B nach einem Sieg gegen B um 6 Punkte besser da als nach einer Niederlage.

Die 6 Punkte beziehen sich also auf die Differenz der gehamsterten Gesamtpunkte in der Meisterschaft. Wenn man aber mit der ->gebotenen journalistischen Sorgfalt nachfragt, wird man feststellen, dass das auf jedes Spiel A gegen B zutrifft. Nur dass die Differenz bei Bayern gegen Duisburg nicht so interessiert. Man könnte also bei dem nächsten Aufeinandertreffen von Nürnberg und Cottbus einfach von einem Spiel zwischen zwei direkten Konkurrenten im Kampf um ein vorher zu definierendes ->Saisonziel sprechen. Zumal der Terminus 6-Punkte-Spiel die durchaus vorhandene Wahrscheinlichkeit eines Unentschiedens nun überhaupt nicht abdeckt. Bleibt man im Deutungsraster würde dann nämlich blitzeschnell ein 0-Punkte-Spiel entstehen. Und zwei solche Partien in 7 Tagen heißen auch nicht 12-Punkte-Woche sondern ->Woche(n) der Wahrheit. Insofern gibt es leider keine Berechtigung und auch keine stichhaltige logische Begründung für den Begriff und er darf in Zukunft nur noch aus nostalgischen Gründen von Udo Lattek im Doppelpass verwendet werden.

3 Kommentare

Kommentieren

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>