Back in the days when I was a teenager – SpVgg Potsdam 42 e.V.

Um die Wartezeit auf die neue, speaktakuläre Zound Zero Single “Back in the days” zu verkürzen, an dieser Stelle und in loser Folge eine sachkundige Analyse, warum Dirk Nowitzki im Moment der einzige Deutsche in der NBA ist und ich nicht bei den Seattle Sonics auflaufe. Teil 1 und Teil 2 beschrieben die vergeblichen Versuche im organisierten Jugendfußball Fuß zu fassen und den triumphialen Gewinn eines Converse Pullovers beim Streetball.

Ende der 12. Klasse beschlossen Knopper, Gazza und ich auf dem Mattenwagen in der Schulturnhalle, dass jetzt gefälligst endlich ein eigener Basketballklub hermüsse. Wir hatten halbherzig versucht bei den beiden städtischen Vereinen USV und OSC Fuß zu fassen und stellten fest, dass der Trainingsbetrieb nicht unseren Wünsche entsprach. Da gab es deutlich zu viel Erwärmung. Wir sprachen mit irgendeinem ominösen Fuzzi vom Polizeisportverein über die Gründung einer Basketballabteilung. Er deutete aber bei einer Limo im Klosterkeller an, dass er in den nächsten fünf Jahren den Aufstieg in die Bundesliga erwartete. Das konnten wir ihm leider nicht garantieren und ich war auch ganz froh, da ich mich noch in meiner autonomen Phase befand und mich nicht mit der Vorstellung anfreunden konnte, in einem Polizeisportverein Bälle in einen Korb zu werfen.

Deshalb gründeten wir die SpvGG Potsdam 42 e.V. und machten alles selbst, Satzung abschreiben, mit 7 Männeken Verein gründen, zum Notar rennen, Gemeinnützigkeit beantragen, Hallenzeiten beantragen, dem Brandenburgischen Basketball Verband und dem DBB beitreten. Den ganzen bürokratischen Quatsch halt, der junge enthusiastische Sportler vom Eintritt in den organisierten Ligabetrieb abhalten soll. Der Name SpVgg wurde gewählt, um Lokalredakteure und Kampfgerichte, die die Abkürzung nicht kannten, zum Aussprechen des phonetischen Ungetüms SchpFfeGG zu bringen. Die 42 … Naja. Douglas Adams halt. Nach Aufforderung konnten wir aber auch andere Geschichten zur Herkunft der Zahl erzählen.

Zur Saison 1996/97 starteten wir dann im Landespokal und der untersten Klassen in Brandenburg, der Bezirksliga. Für einen Sieg gab es eine rosa, für eine Niederlage eine gelbe Kopie des Spielberichtes, der je nach Kampfgericht mal sehr liebreizend, mal sehr schlampig ausgefüllt war.

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Auf dem abgebildeten Exemplar erkennt man, dass ich persönlich in dieser Begegnung 4 Fouls kassierte, was so ungefähr meinem Schnitt entsprach. Allerdings verwandelte ich in der letzten Minute eiskalt zwei von zwei Freiwürfen und wir gewannen das Spiel durch einen Dreier Sekunden vor Schluss. Wir waren ziemliche Exoten in der Liga. Fangen wir mal mit unseremTeam an: Wir hatten einen “Star”, das war Thomas, der war echt gut. Dann gab es zwei Typen, die man mit viel gutem Willen als Center einsetzen konnte. Das heißt die waren 1,90 groß und wogen ein bißchen mehr als 70 Kilo. Weiterhin uns 5 Dreizehntklässler, bis auf Alex allesamt Hänflinge. Knopper erzählt zwar immer, er ist 1,90 groß, er wog damals aber nur 60 Kilo und konnte nicht zur Abschreckung gegen unsere Gegner, gestählt in den Fitnessstudios des Landkreises Potsdam-Mittelmark, eingesetzt werden. Außerdem wirkte Bruderherz mokko mit – da er damals zarte 14 alt war, musste ich für 10 Mark eine Ausnahmegenehmigung kaufen, damit er mittun durfte. Genauer betrachtet also 5 Aufbauspieler, zwei Shooting Guards und 2 Small Forwards. Physische Dominanz war das nicht.

Wir besaßen schicke schwarze Trikots und eine sehr eigenwillige Spielweise. Ich trug die Nummer 6. Eigentlich wollte ich die 3, aber diese Nummer ist ja leider im europäischen Basketball nicht erlaubt. Najaegal.

In grenzenloser romantischer Verklärung der Vergangheit und unter Missachtung meiner Fähigkeit zur realistischen Einschätzung unserer Fähigkeiten heroisiere ich jetzt unser einzigartiges und kreatives Spielsystem. Dieses bestand aus genau keinem festgelegtem Spielzug – wir trainierten nämlich nie, sondern spielten nur. Dafür aber aus bedingungslosem Einsatz, psychologischer Kriegsführung und viel jugendlicher Naivität. Mein persönliches Idol war Kurt Rambis, das war der Tüp, der als einer der wenigen Weißen im Team der Lakers von Magic Johnson Schleifspuren aus Schweiß aufs Parkett zauberte und für diese Drecksarbeit von Magic bestimmt 28 Ferraris geschenkt bekam. Gazza hatte sämtliche Bücher von und mit Phil Jackson und sämtliche Werke über Zen Buddismus auswendig gelernt. Und Knopper hatte für Notfälle immer einen Kaugummi für verschiedene Gelegenheiten dabei und war abwechselnd Scottie Pippen und Michael Jordan.

Es ging also immer Samstags oder Sonntags in eine Provinzhalle um einen Doppelspieltag abzufeiern. Die derbste Klatsche kam gleich zu Beginn als wir in der ersten Pokalrunde mit 33:147 untergingen. Das lag unter anderem daran, dass der Gegner zwei Klassen höher spielte, wir nur mit 6 Mann antraten und ausgerechnet die beiden größten Leute zu Beginn der zweiten Halbzeit wegen Meckerei in Richtung Kampfgericht mit technischen Fouls vom Platz flogen – wir uns also zu viert noch zwanzig Minuten der Bernauer Dampfwalze gegenüber sahen.

Ich finde es im Rückblick sehr erstaunlich, welche Emotionalität und Aggressivität ich Sonntags morgen um 10 an den Tag legen konnte. Normalerweise schläft man schließlich um diese Uhrzeit noch. Aber sobald ein Schiedsrichter den Ball hochwarf, rannten wir wie blöd über den Platz. Dabei gab es folgende Aufgabenverteilung:

Ich war dafür zuständig die Gegenspieler zu entnerven. Mit erbarmungsloser Deckung auf der einen Seite und wilden Dreierwürfen und unkontrollierten Moves in die Zone. Ich musste mich, obwohl Aufbauspieler, weiterhin in jeden Rebound schmeißen und dem gegenerischen Team damit klar machen, dass wir keine Angst haben. Das führte an guten Tagen dazu, dass alle vor mir Angst hatten, an schlechten, dass ich ab Minute 5 mit drei Fouls belastet war.

Knopper sorgte durch betonte Gleichgültigkeit zu Beginn immer dafür, dass keiner ihn ernst nahm. Wenn es seiner Laune entsprach, explodierte er dann kurz und warf ein Korb nach dem anderen. In der Defensive verwirrte er Gegenspieler mit unerschöpflichen Repertoire an Gemeinheiten. Ich erinnere sehr gerne an die Diskussion, die er mit einem flegelhaften Potsdamer Flügelspieler führe. Der Herr hatte auf unseren Hallenfußboden gerotzt. Knopper erklärte ihm über mehrere Angriffe seines Teams geduldig aber mit der nötigen Strenge, dass er das bitte sauber machen solle und hielt ihn eine Zeitlang von der Teilnahme am Offensivspiel seiner Mannschaft ab. Ein weiteres bewährtes Hilfsmittel: Wenn er beim Tempogegenstoß als einziger gegen drei anfliegende Tüpen stand, ließ er seinen Kaugummi aus dem Mund fallen und rief kurz und ganz ernstgemeint “Stop”, schirmte die Stelle ab uns suchte das Leckerli. Erstaunlich, welche Fehler in solchen Situationen der Überraschung vom Gegner produziert wurden.

Gazza war Geheimwaffe, Motivationsguru und Scharfschütze. Da Potsdam eine kleine Stadt ist und das Umland auch nicht besonders groß, waren wir irgendwann in der Liga bekannt. Gazza wurde immer unterschätzt bis abschätzig vom Gegner verspottet. Das lag unter anderem daran, dass er sich nicht an die damals angesagten Streetball-Klischees hielt, sondern lieber wirklich nachlas mit welchen asiatischen Künsten Phil Jackson die Bulls zu ihren Titeln führte und gerne deswegen auch vor dem Spiel meditierte. Außerdem war er nicht besonders schnell und sah auch nicht gefährlich aus. Es bewährte sich deshalb in besonderen Situationen den arrogantesten Gegenspieler von Gazza in Manndeckung nehmen zu lassen. Egal ob der 2 Meter groß war oder die 100 Meter unter 12 Sekunden lief. Der Kollegen dachte über diese Herabschätzung unsererseits dann meistens die 40 Minuten, die ein Spiel dauert, nach und war somit intellektuell so beschäftig, dass er seine sportliche Leistung nicht abrufen konnte und Gazza konnte ein Wurf nach dem anderen ins Ziel bringen. Sollte man auch mal im Proffifußball probieren.

Es ist natürlich illusorisch zu glauben, dass man so viele Spiele gewinnt. Wir schafften es aber so immerhin, oft genug den Ball zu unserem Topscorer zu spielen, der dann auch die Torjägerkanone (wie heißt das eigentlich im Basketball?) gewann, warfen immer mal Dreier und versenkten die Fast-Breaks. Damit kamen wir zum Ende der Saison auf eine positive Sieg-Niederlagen Bilanz und schlossen mit einem respektablen dritten Platz ab.

Fürs folgende Jahr sollten wir laut Satzung des Brandenburgischen Basketballverbandes mindestens eine Jugendmannschaft sowie einen Schiedsrichter stellen. Außerdem ging Thomas nach Amerika zum Auslandsjahr (er trug dann im HighSchoolTeam in Erinnerung an uns die 42) so dass wir uns außerstande sahen die kommenden organisatorischen und sportlichen Herausforderungen zu meistern. Wir meldeten uns also ehrenhaft wieder vom Spielbetrieb ab und lösten den Verein auf. Dabei kam uns zu Gute, dass die Eintragung ins Vereinsregister sowieso nicht klappte. Ich hatte die Bemerkungen des zuständigen Amtsgerichtes schlicht und ergreifend nicht verstanden uns es in 5 Schreiben verteilt über ein Jahr nicht hinbekommen den einen Satz so zu formulieren, dass man das OK fand.

Knopper und ich versuchten es dann in der Mannschaft des USV Potsdam, unseres ehemaligen Konkurrenten. Aber erstens gab es da wieder Erwärmung und zweitens jede Menge Spielzüge, die nicht funktionierten, für uns aber bedeuteten, dass wir als Flügelspieler, sofort den Ball wieder zum Aufbauspieler zurückpassen sollten. Wir saßen auch oft auf der Bank und warteten dann, dass wir reinkamen und wieder dem Aufbauspieler die Bälle zupassen konnten. Ein schönes Spiel gab es nochmal, als man uns nach aussichtslosem Rückstand zur Halbzeit, mal eine Weile durchspielen ließ und wir nochmal wie gewohnt, machen konnten was wir wollten. Wir gewannen zwar nicht mehr, hatten aber nochmal Spaß und kamen bis auf 10 Punkte wieder ran.

Als die tonangebenden Männeken in der Trainingsgruppe dann anfingen in der Turnhalle nur noch englisch zu reden und auch so immer verspannter wurden, beendete ich meine Basketballkarriere. Der Realismus, mit meinem Fähigkeiten nicht in die NBA vorzustoßen, war immer da, warum sollten wir uns also so benehmen? Sportlicher Ehrgeiz hat ja schließlich nichts mit Attitüde zu tun sondern in meinem Fall meistens mit einem Ball und einen Ort, wo man den hintun soll. In diesem Sinne sollte ich eigentlich mal wieder eine Hallenzeit organisieren und einen roten Ball in ein Netz werfen. Mal schauen, ob ich überhaupt noch an den Ring komme. In meinen besten Zeiten hab ich immerhin mit Volleyball ‘nen Dunking geschafft. Und das mit 1,79.


Back in the days when I was a teenager – Jugend trainiert für Olympia und Streetball

Um die Wartezeit auf die neue, speaktakuläre Zound Zero Single “Back in the days” zu verkürzen, an dieser Stelle und in loser Folge einige Rechtfertigungen, warum ich trotz größter Bemühungen NICHT im aktuellen Kader von Bayern München auftauche. Der erste Teil steht hier und beschrieb die ernüchternde Erfahrung mit dem Jugendtraining bei Motor Babelsberg und meine Erfolge als Badminton-Spartakiadist.

Im Zuge des Mauerfalls beendete ich meine Badminton-Laufbahn. Wahrscheinlich weil es am Samstag ab sofort sowieso keine Schule mehr gab, die durch Spartakiadeteilnahmen hätte ausfallen können. Im turbulenten Jahr 1990 wagte ich dann den nächsten Ausflug in den organisierten Jugendfußball. Auch ich blickte wie alle guten deutschen Proffis von Weltrang über den Tellerrand und radelte selbständig wieder mit Christian, der auch nicht mehr bei Motor Babelsberg war, von Potsdam über den Schäferberg nach Wannsee um beim dortigen FV vorzusprechen. Wir durften mittun und auf beleuchtetem Kunstrasen trainieren. Ich war aber wie Michi bei Chelsea zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde nicht für Ligaspiele gemeldet. Warum weiß ich auch nicht, vielleicht war dem Trainer die politische Großwetterlage noch nicht stabil genug und er wollte sich nicht auf die neuen Stars aus dem Osten (von Wannsee aus ja eigentlich Westen) verlassen und dann machen die die Grenze wieder zu und der Verein steht dann blöd da, oder so.

Wir wurden von der Mannschaft auch mehrheitlich geschnitten und ich wurde einmal tierisch zusammengeschissen, weil ich bei einer Übung bei einem Sichtungsturnier den Ball nie annahm und abspielte, sondern getreu Arsene Wengers OneTouchFootball immer direkt weiterpasste, was nicht Sinn des Trainingselementes war. Irgendwann suchten wir dann lieber verirrte Golfbälle im Wald oder riefen an, dass wir nicht zum Training kommen können, weil wir den Kachelofen zu Hause bewachen müssen. Sonst würden wir nämlich alle, wenn wir wieder kommen, an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ersticken. Nach einem halben Jahr waren mir die insgesamt 16 Kilometer hin und zurück mit dem Fahrrad über den Berg zu viel. Die Hertha-Trainer wissen schon, warum sie ihre Kicker, da zum Straftraining hochschicken.

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Danach gings auf Gymnasium und es war erst einmal Sense mit Fußball. Nach dem Gewinn der WM kam auch von der unschlagbaren Nationalmannschaft nicht mehr viel. Mit Berti ging es bergab. Und das Olympia-Dreamteam von 1992 um Jordan, Magic Johnson und Larry Bird strahlte deutlich mehr Sexappeal aus, als Kalle Riedle und Konsorten. Den Basketballern nachzuahmen schien mir auch in Bezug auf die eigene Attraktivität auf Frauen die bessere Wahl. Ich las die Biographie von Magic Johnson und ging jeden Tag in die Mausefalle Korbwürfe üben. Alleine. Ich wollte die Schmach der ersten Teilnahme unserer Gymnasiumsstufe bei “Jugend trainiert für Olympia” vergessen machen. Da sind wir nämlich wie die Schneider aufgekreuzt. Von uns acht Achtklässlern waren zwei Schwimmer, einer Kanute, zwei Leichtathleten, iche Badmintonspieler und ein paar die gänzlich unsportlich waren. Wir machten, glaube ich, im ganzen Turnier 3 oder 4 Körbe.

Ich hatte aber Lunte gerochen, zumal uns immerhin mit Tommy Thorwart ein späterer ALBA-Spieler den Zwei-Schritt-Rhythmus beibrachte. Wir hatten ihn zufällig in einer Turnhalle getroffen, seine Schule, die Sportschule war der große Gegner auf Stadtebene und er galt schon damals als großes Talent.

Nach so drei Jahren Training, in der 11. Klasse, wurden wir dann langsam konkurrenzfähig. Mangelnde Körpergröße wurde durch bedingungslosen Einsatz und Trainig mit Ältereren kompensiert. In dieser Zeit hing ich mit einigen Gestalten, die auch jetzt hier im Tipspiel rumspringen an mindesten 3 Tagen pro Woche in irgendeiner Turnhalle rum.

Fußball spielten wir auch noch, aber nur Sonntags auf einem Schotterplatz. Völlig überraschend gewannen wir auch einen Stadtwettbewerb bei Jugend trainiert für Olympia. Wir hatten ein paar fiese 13. Klässler im Team. Wir schossen glücklich in mehreren Spielen das 1:0 und die großen Jungs gaben dann die Devise aus, die Bälle über den Zaun zu dreschen und die knapp bemessene Spielzeit runterlaufen zu lassen. Da es keine Ersatzbälle gab und ich damals schon kunstvolle Befreiungsschläge beherrschte, gelang das. Ich hatte meine Berufung als Abwehrspieler gefunden.

Nach diesem Kleinfeldturnier auf Schotter ging es zum Landesfinale nach Brandenburg. Der große Platz überforderte uns. Wir verloren mit großem Einsatz und ich kassierte die erste und einzige Rote Karte meiner Fußballerkarriere – nach einer Grätsche mit 5 Meter Anlauf im Mittelfeld. Ich fühlte mich gut, dachte ich habe ein realistische Chance auf den Ball, überschätzte aber die Standfestigkeit meiner profillosen Basketballschuhe auf dem nassen Rasenplatz. Zu meiner Enttäuschung war die Rote Karte, die mir gezeigt wurde nur eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Aber Fußball interessierte mich damals eh nur am Rande. Basketball war deutlich cooler.

Ab 1993 daddelten wir auch auf jedes dämliche Streetballturnier zwischen Wohngebiet und Olympiastadion Berlin. Die Sportartikelhersteller überboten sich mit Turnieren und wir spielten teilweise in bis zu drei Teams mit. Manchmal war’s etwas anstrengend, wenn man im Mixed auf eine Mischung aus Ghettogangstern und Kampflesben traf, die mich sensiblen Gymnasiasten mit Trash-Talk und fiesen Fouls zum Weinen brachten. Aber meistens sehr schön. Wir verloren immer respektabel gegen übermächtige Gegner und gefielen uns in der Rolle der Underdogs, die immer mal überraschend einen Sieg erkämpften.

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Wir flogen spektakulär durch die Luft und gewannen am liebsten gegen Teams, die uns ob unserer im Schnitt knapp über 1,80 und 65 Kilo unterschätzten oder gegen Kraftsportler. Damals spielten alle Basketball und der Kick war immer, dass man vor Beginn ja nicht wusste, wie gut die anderen waren. In guten Momenten fühlte ich mich, wie auf dem Bild, sehr Air-Jordan mäßig. Was dieses Kopftuch sollte, kann ich mir aber heute auch nicht mehr erklären. Der einigen bekannte Knopper, der hier im hauseigenen Managerspiel gerne mit radikalen Methoden versucht sein Team an die Spitze zu führen sah damals noch ganz brav aus, entwickelte in dieser Zeit aber eine Art der psychologischen Kriegsführung auf dem Court, die uns sehr zu Gute kam. Eine sehr wirkungsvolle Variante war das Zeigen von totalem Desinteresse seinem Gegenspieler gegenüber um dann wenige Sekunden später zu explodieren. Es war erstaunlich, wie wenig die Streetballer damit klar kamen, wenn man bei ihren Sprungwürfen demonstrativ einen Schritt zurückging und sie NICHT blocken wollte. Da auch Knopper keine Karriere mehr im Basketball anstrebt, werde ich einige Trick demnächst hier noch einmal ausführlicher verraten.

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Das Spielsystem der Streetball-Challenges habe ich nie ganz verstanden. Auf jeden Fall gewannen wir 1996 irgendeinen Teil der Converse Veranstaltung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die besten Basketballer der ungefähr 1000 jungen Herren da vor Ort waren, aber der Spielplan sagte: “Finale” und das haben wir gewonnen. Lohn waren eine Converse Tasche und der Champion-Pullover. Die Tasche wurde von der ganzen Familie gerne benutzt. Oben abgebildeter Pullover weist eine akzeptable Qualität auf, ich besitze ihn immer noch und wenn mich heute eine Mittelfußdistortion einschränkt und ich beim Fußballspielen ins Tor muss, ist er Teil meines stilsicheren “Lew Jaschin-Outfits”. Da ich damals keine coolen britischen Indiepopper kannte und nur Nirvana hörte, wähle ich das Kleidungsstück meiner Modevorliebe entsprechend in XL. Dieser zu dieser Zeit sehr angesagte Kartoffelsackschnitt kombiniert mit dem Grauton machten den eventuellen eigenen Attraktivitätsbonus als Gewinner eines Turniers der Trendsportart schlechthin natürlich sofort wieder zunichte. Das ist mir heute auch klar, aber das ist eine andere Geschichte.

Zu dieser Zeit konnte man uns nachts wecken und wir beteten alle Kader der NBA runter. Der Weg der deutschen Fußballmannschaften wurde nur noch am Rande verfolgt. Die demnächst folgenden Highlights meiner sportlichen Laufbahn sollten dann auch nichts mit Fußball zu tun haben.


Back in the days when I was a teenager – Motor Babelsberg

Um die Wartezeit auf die neue, speaktakuläre Zound Zero Single “Back in the days” zu verkürzen, an dieser Stelle und in loser Folge einige Rechtfertigungen, warum ich von der Auslosung zur WM-Qualifikation trotz größer Bemühungen nicht persönlich, also als Aktiver, betroffen bin.

Ich war so sportmäßig eher ein Spätstarter. Ich verfüge meiner Meinung nach zwar über ein einigermaßen vorzeigbares motorisches Talent, das versteckte sich in der gerade aktuellen Sportart aber immer einige Jahre, bevor es zum Vorschein kam. So landete ich als ich mit Mama und Papa am Schreibtisch so Anfang der 2. Klasse eine Sportart festlegen sollte auch nach reiflichen Abwägen zwischen Handball, Fußball und diversem anderen Gedöns bei der Trendsportart des nächsten Jahrzehnts (Ja, das ist eine Prognose) nämlich Badminton. Mitte der 80er bedeutete das bei der BSG Turbine Potsdam (heute BC Potsdam), dass ich in einer typischen, miefigen Schulturnhalle in Zentrum-Ost mit Holzkeulen Naturfederbälle über Netze drosch. Nach einer Weile gab es für ungefähr 200 DDR-Mark eine quasi Leichtmetallkeule aus der Tschecheslowakei. Ungefähr von der Qualität der Schläger, die es jetzt immer mal im 1 Euro Laden für 3,50 gibt. Von nun an hatte ich aufgrund der samstags stattfindenden Stadt- und Bezirksspartakiaden immer mal schulfrei. Eine positive Nebenerscheinung, rein sportlich war die Perspektive begrenzt, da es kaum Wettbewerbe auf nationaler Ebene gab. Keine förderungswürdige Sportart eben.

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In der dritten Klasse war ich dann mental bereit, es mit Fußball zu probieren. Las ich doch schon stolz wie Bolle selbstständig die Sportberichte über die BSG Stahl Brandenburg in der Märkischen Volksstimme und wollte so werden wie Eberhardt Janotta, Andreas Lindner und später Steffen Freund. So brach ich also frohen Mutes mit meinem Freund Christian Anfang Mai 1987 zum Jugendtraining von Motor Babelsberg auf. Neben dem ehrfurchtgebietenden Karl-Liebknecht-Stadion durften wir dann auch mit mir völlig ungewohnter Strenge des Trainers garniert zum Warmlaufen rund um den Ascheplatz aufbrechen. Es wurde irgendwann auch einige Male gegen den Ball getreten. Es erschien mir äußerst illusorisch, von der Eckfahne, wie verlangt, den Ball bis in den Strafraum zu befördern. Und dann auch noch hoch. Aber hey, Motor Babelsberg, der Stolz der Stadt, mein Heimatverein, damals immerhin aktiv in der zweithöchsten Spielklasse des Landes. So schnell war ich noch nicht bereit aufzugeben.

Nach Ende der Übungseinheit befahl uns der Trainer die nächsten beiden Termine für die weiteren Sessions. An einem konnte ich nicht, weil ich zur Musikschule musste. Die Jungs machten ernst. Dreimal pro Woche sollte ich mich in Zukunft auf meine Laufbahn als Kicker vorbereiten. Das hieß bei der üblichen Verteilung des Trainings pro Woche immerhin 3 Stunden nur Erwärmung. Aber nicht immer. Das nächste Zusammentreffen fand nämlich ohne Ball statt. Wir kleinen Männeken wurden dazu verpflichtet, auf den Tribünen des Karl-Liebknecht-Stadions mal gründlichst Unkraut zu jäten. Schließlich stand am kommenden Wochenende das Spitzenspiel gegen den unangefochtenen Tabellenführer Hansa Rostock auf dem Programm.

Wir zogen also auf Knien bei schlechtem Wetter über den Stein und meine Einschätzung meiner sportlichen Perspektive relativierte sich wieder. Am Samstag sahen wir dann im (sauberen) Stadion wie Babelsberg 3 zu 0 von Hansa abgeschlachtet wurde. Im nachhinein frage ich mich, ob diese Niederlage Namenspate für die spätere Umbenennung in SV Babelsberg 03 war. Wahrscheinlich nicht. Rostock stieg in dieser Saison auf und war dann später historisch gesehen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit Motor sollte es von nun an immer weiter bergab gehen.

Vielleicht habe ich das unterbewusst richtig analysiert. Wahrscheinlich schien mir aber die Kombination aus dreimal pro Woche Stadion Putzen, Warmlaufen und verzweifelt probieren hohe Ecken vors Tor zu dreschen, um dann irgendwann mit Gebrüll des Trainers auf die linke Verteidigerposition abgeschoben zu werden, einfach nicht sehr verlockend. Ich musste immerhin weiterhin zur doofen Schule, zweimal pro Woche zum Badminton und einmal zur doofen Musikschule. Das lies Probleme mit meinem Zeitmanagement erahnen. Ich tat also das damals einzig Richtige und ging in der nächsten Woche einfach nicht mehr hin. Die Konzentration ging weiterhin in Richtung Badminton-Karriere. Ich ersparte mir damit ein nachhaltiges Fußballtrauma und konnte noch ein paar Spartakiade-Medaillen sammeln und zu obskuren Ligaspielen mit einem Barkas B1000 nach Lauchhammer kutschen.

Meine Badminton-Laufbahn endete erst in den wilden Wendejahren und der beginnenden Pubertät, als ich irgendwann sowieso auf nichts mehr Lust hatte, einfach nicht mehr hinging und meiner besorgten Trainerin, die eines Tages zu Hause vorbei kam, sagte, dass ich soviel zu tun hätte und überhaupt keine Zeit mehr habe.

Ergebnis dieser Episode bei Motor Babelsberg war eine nicht mehr ganz ungetrübte Begeisterung in Bezug auf meinen Heimatverein und eine bis heute andauernde Abneigung gegen Erwärmungen. Und ich hatte auf Dauer abgespeichert, dass das Karl-Liebknecht-Stadion damals immerhin 15.000 Zuschauer fasste (soviel Unkraut) und dass das genau die Stadiongröße war, mit der der SC Freiburg nebst Dreisamstadion in die Bundesliga aufstieg.

Ich verfolgte erst einmal meine passive Fußballerkarriere ohne Fernseher also basierend auf den Berichten in der Zeitung weiter und speicherte in meinem Kopf allerlei unnütze Fakten zum Abschneiden der Oberliga Mannschaften auf den Plätzen Europas. Das Ausscheiden von Brandenburg gegen den späteren UEFA Cup Sieger IFK Göteborg, die Glanztaten von René Müller gegen Girondins Bordeaux und der doofe Marco van Basten der Lok Leipzig im Endspiel um den Pokal der Pokalsieger brachte dafür aber ein schönes Tor gegen die Russen im EM-Endspiel 1988 schoss, sind mir deswegen so präsent, dass es mir noch heute möglich ist, das Ganze komplett ohne wikipedia zu rekapitulieren.

Immerhin etwas.