Garnisonkirche is a bitch

Am 29. Oktober gab es den offiziellen Baustart für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Mit Festgottesdienst, Ehrengästen, Gottes bzw. Günters Segen und allem Schnick und Schnack. Und laut PNN.de ungefähr 75 Gegendemonstranten, Buttersäure und Trillerpfeifen.

Neben der allgemeinen Debatte über die Sinnhaftigkeit des Wiederaufbaus der – wohlwollend formuliert – mit einer zweifelhaften Geschichte behafteten Soldatenkirche gibt es mittlerweile noch eine andere Konfliktlinie. Neben der geplanten Kirche steht das “Rechenzentrum“, ein altes DDR-Gebäude, was sich die Künstler der Stadt als Kreativhaus erstritten haben und was mittlerweile als Erfolgsmodell gilt. Die Nutzung ist derzeit bis August 2018 befristet. Das Ding steht auf dem Baufeld der Kirche und müsste spätestens bei dem mehr als vagen Wiederaufbau des Kirchenschiffs endgültig abgerissen werden. Es gibt einen breiten politischen Konsens, die Nutzung auf jeden Fall bis 2023 zu verlängern, die Stadt stellte dafür bereits eine halbe Million bereit, die die Mehrkosten beim Bau decken soll.

Baufeld Garnisonkirche und Rechenzentrum noch ohne Künstler im Juli 2013

Soweit, so gut oder schlecht. Nach dem “Stören” des Fests eskaliert die Situation in typisch Potsdamer Manier. Nach diesem Artikel vom 6.11.17 bin ich noch mehr als vorher geneigt, all die Reden vom Versöhnungszentrum für Blödsinn und die Beteiligten auf Seiten der Stiftung für kleingeistige Vollpfosten zu halten. Außerdem macht mich das stinkwütend.

Zusammengefasst: Die Stiftung Garnisonkirche ist aufgrund der Störungen beleidigt. Und möchte jetzt nicht mehr über eine Verlängerung des Vertrags über die Nutzung des Rechenzentrums reden. Sie ist in dieser Machtposition, weil ein Teil des Rechenzentrums auf dem Gelände der Stiftung steht. (Dieses Gelände bekamen die Wiederaufbauer übrigens von der Stadt geschenkt, so viel zum Thema “komplett privat finanziert und organisiert”)

Im Detail:

“Unter derartigen Vorzeichen über Verlängerungen von bestehenden Vertragsverhältnissen nachdenken zu sollen, ist eine falsche Erwartungshaltung“, sagte der Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche, Wieland Eschenburg. „Unsere ausgestreckte Hand der Versöhnung wurde weggebrüllt.“

Wieland Eschenburg ist ein gewiefter Rhetoriker, das liest sich so weg, klingt in sich schlüssig, ist aber bei genauem Hinsehen eine niederträchtige Frechheit. Erstens setzt er hier die Leute, die ihn störten mit dem kompletten Kreativhaus gleich. Kollektivstrafe ftw. Dann spricht er von “Erwartungshaltung”, was offenbart, dass es sich hier mitnichten um eine versöhnende Nachbarschaft sondern um ein psychologisch bitte zu untersuchendes Selbstverständnis vom mächtigen Kirchenpapi und dem quengeligen Kind, was “Bitte, bitte” rufen muss und abends pünktlich das Licht ausmachen soll, handelt. Der Satz “Unsere ausgestreckte Hand der Versöhnung wurde weggebrüllt” macht mich fassungslos. Da das als wörtliches Zitat gekennzeichnet ist, gehe ich davon aus, dass das genauso gesagt wurde. Und es bedeutet nichts anderes, als dass diese “Versöhnung” von der immer alle sprechen, kein im Wortsinne “Beilegen und Vereinen” ist. Vielmehr möchte scheinbar Herr Eschenburg bestimmen, wer sich hier mit wem unter welchen Bedingungen “versöhnt”. Brillant. Mit dieser Rhetorik kannste auch die christlichen Kreuzzüge oder sämtlichen Fundamentalismus dieser Welt als “Versöhnungszentrum” verkaufen. (“Wir wollten uns ja mit diesen Ungläubigen versöhnen, aber die haben uns einfach niedergebrüllt und nicht zugehört, da mussten wir …”)

Ein weiteres Detail: Die Stiftung hatte den Zutritt zum Gelände während des Gottesdienstes nicht reglementiert, dann aber nach Störungen die Polizei gerufen und Platzverweise ausgesprochen. Natürlich kann ich das niemanden nachweisen, aber das Ganze riecht schon etwas fischig. Gegen das Argument “wir sind offen für alle” kann ich nicht viel sagen, aber wie gesagt, das ist das umstrittenste Wiederaufbauprojekt des Landes. Da erst alle reinzulassen und danach zu rufen “Die haben uns gestört” sieht auch ein wenig so aus, als ob man das bewusst einkalkuliert hat um danach mit diesem Spin die Debatte in die gewünschte Richtung zu lenken. Ermittelt wird jetzt wegen “Störung der Religionsausübung” und “Hausfriedensbruch”, weil man Altbischof Huber “Schande” und “Heuchler” entgegengerufen hat und Trillerpfeifen benutzt wurden. Meines Wissens wurde noch niemand verurteilt, aber halten wir uns nicht mit solchen Nebensächlichkeiten auf.

Das was mich ob der Perfidität aber wirklich wütend macht ist folgendes Detail.

„Gepfiffen und gebrüllt wurde während des gesamten Gottesdienstes auch lautstark aus den Fenstern des Rechenzentrums“, so Eschenburg. Besonders stößt ihm auf, dass die Kulturmanagerin des Rechenzentrums, Anja Engel, beim Gottesdienst anwesend war und nichts gegen das Geschrei unternommen habe. „Die Vorfälle machen eine schlichte Rückkehr zu einem von gegenseitiger Achtung geprägten nachbarschaftlichen Verhältnis so einfach nicht möglich“, so Eschenburg.

Eschenburg zieht eine hochpolitische Debatte auf die persönliche Ebene. “Die Anja war auch da und hat nix gesagt, als die Sarah so laut geschrieen hat, sodass ich den Finn gar nicht mehr verstanden habe und deswegen dürfen jetzt alle Freunde von der Anja nie wieder auf meinem Spielplatz spielen sonst hole ich den Günter !!!11!”. Anja Engel ist Kulturmanagerin des Rechenzentrums, angestellt bei der Stiftung SPI, die das Haus betreibt. Das ist eine Koordinatorenstelle. Vielleicht ist Herr Eschenburg das ja aus Partei- oder Kirchenarbeit anders gewohnt, aber man hat bei so einer Stelle weder Weisungsbefugnis noch ist es die Aufgabe irgendwelche Leute auf Linie zu bringen. Sowas ging damals in der FDJ oder SED (halt, das waren ja die Doofen, die die Kirche erst gesprengt haben) heute aber nicht mehr. Und eine Person und ihr Handeln in einer bestimmten Situation für eine bestimmte Entwicklung verantwortlich zu machen, ist eine so dermaßene Arschlochnummer, dass sich mir da die Faust in der Tasche ballt.

Auch dass sich der Sprecherrat des Rechenzentrums von den Stinkbomben distanziert hat, war Eschenburg nicht genug.

In der Stiftung wird diese Distanzierung als halbherzig betrachtet. Die Vertreter des Rechenzentrums müssten sich mehr bewegen, bevor man wieder über die Zukunft miteinander sprechen könne, hieß es.

Alles in allem sieht die ganze Nummer aus, wie niederträchtig und feige durchkalkuliert (oder zumindest dankbar angenommen): Haltet ein Stöckchen hin, irgendein Krawallo wird schon rüberspringen und irgendetwas “Böses” tun. Dann schreien wir Aua und sagen “So geht das nicht, so können wir nicht miteinander reden”. (Im Ernst, wir reden über ein bisschen Buttersäure, Pöbeleien und Trillerpfeifen. Manche, wie die “Initiative Mitteschön” sprechen da zwar von kriegsähnlichen Zuständen, aber die waren auch lange nicht mehr raus aus der Berliner Vorstadt. Da ist jede Ringbahnfahrt schlimmer.)

Das kann man machen, ist halt scheiße. Auch wenn man vielleicht damit durchkommt. Ich hoffe aber sehr, dass “Karma is a bitch” in diesem Fall auch gilt. Und wenn die Lokalpolitik diese Kirche nicht stoppt und alle Welt ihnen den Blödsinn vom Versöhnungszentrum glaubt, wünsche ich mir dann eben irgendetwas anderes als Strafe. Irgendetwas schön Skurriles und ein bisschen Buntes. Einen kleinen Drogen-, Sex- oder Schmiergeld-Skandal. Oder Hitlerbildchen bei irgendeinem Stiftungschefchen im Wohnzimmer. Oder einen morastigen Untergrund, sodass das ganze Ding einstürzt. Oder Pfusch am Bau, dass es unnutzbar wird und  telegen vor sich hinrottet. Auf jeden Fall irgendetwas, was man nicht wieder anderen Menschen in die Schuhe schieben kann.

Das wäre meine Bedingung (und scheinbar muss die ja jeder vorher aufstellen bevor er ein Zentrum dafür gründet) für eine Versöhnung mit der Garnisonkirche.

Disclaimer: Ich habe mit dem Rechenzentrum nichts zu tun, bin nicht in dem Verein FÜR e.V. und dort kein Mieter. Wir haben mit unserer Band allerdings sehr vergnügt zur letzten Fête de la musique da gespielt und das Haus ein wenig kennengelernt. 


Casino: Wiederda!

Und dann war ganz schnell alles wie früher, und das ist in diesem Fall ein Kompliment und keine nostalgische Verklärung. Noch am Abend vor der Eröffnung sah es so aus, als ob da im Leben nicht innerhalb von nur 24 Stunden irgendetwas Veranstaltungsähnliches über die Bühne gehen könnte. Sicherungen flogen raus und konnten nicht wieder eingeschaltet werden, weil niemand an den Kasten kam. Die Tür hatte eine Klinke, ging aber nur mit Buzzer auf – und dann auch nur ganz langsam. Die Anlage stand nicht. Und viele Menschen bastelten mittelmäßig übernächtigt auf diversen Baustellen. Und nicht immer wusste der Eine, was der Andere tut. Der riesengroße Erfolg, das Haus quasi als Rohbau wiederzubekommen, hat halt einen Preis. Dafür sinkt das Risiko, aus Versehen ein weiteres tot saniertes soziokulturelles Zentrum in der Landschaft stehen zu haben, womit alle irgendwie ein wenig fremdeln. Und das war meine größte Sorge.

Bildquelle: Casino FHP/Instagram

Naja. Es war ein toller Abend. Und es war schon sehr schön, zur Feier des Tages da zu spielen. Es klappte ziemlich viel, und ziemlich viel ging ordnungsgemäß schief. (Unser Konzert begann nicht um 0:30 Uhr sondern um 3:15 Uhr, eigentlich bin ich aus dem Alter raus, wo ich gerne 24 Stunden am Stück wach bin.) Am Ende waren alle sehr müde, ziemlich viele Menschen waren sehr betrunken, aber soweit ich das überblicken konnte, hatten alle gute Laune. Ich auch. Genauso wie das halt sein muss.

Und als ich im Morgengrauen nach Hause kam, begrüßte mich K2 (in der Phase der Zweiwortsätze) mit einer Flasche Milch in der Hand, gerade aufgewacht, quietschvergnügt mit “Wiederda!” Was die Nacht auf ziemlich vielen Ebenen sehr gut zusammenfasst.

Geht da mal vorbei, wenn Ihr in Potsdam seid. Auf ein Bier, oder zu einer Party. Das lohnt sich.


Harry Potter

Aktuelles Hobby von K1: Wikipedia abschreiben.


Herbst

Mottobilder “Herbst”. Weiß man auch immer nicht, ob das stimmungs- und wettertechnisch schön farbenfroh ist oder doch einfach weg kann.


Tropensturm

Facebook spricht vom “Tropensturm” Xavier. Und ich soll an die Intelligenz von Algorithmen glauben?


Basteln und Knöpfe drücken

Kind 1 verschwindet, wie erwähnt, mit Opa immer sofort im Keller. Nachdem der Roboterzoo gestern versorgt war und der Malroboter ordentlich beschäftigt wurde, durfte ich dann mit meinem Bastelprojekt vorstellig werden. Netzteil an Konverter an Controller kabeln bzw. löten. LEDs ran. Knöpfe drücken. Blinkt in bunt. Jetzt muss das nur noch einmal als Bühnenversion fertig gebaut werden und als zweite Variante in das bald anstehende Jugendzimmer von K1 in die CouchChillEcke geklebt werden. (Da aber mit Fernbedienung und ohne laut brummendes Netzteil) Und ich habe was “gebastelt” ohne dass ich löten musste.

 


Septemberbaden

Fester Vorsatz dieses Jahr: Bis Ende September abends zum und in den See. Schön leer ist es mittlerweile. Und mitunter Postkartenschön.


Brötchen holen 

Jeden Sonntag das faszinierende Schauspiel: Mit schnittiger Limousine oder SUV schnell in die Fußgängerzone zum Bio-Bäcker. Brötchen holen nach Potsdamer Art.


EU abschaffen! (Aber erst, wenn alle Plakate hängen)

Die Plakate mit der Forderung nach Austritt aus der EU bzw. Abschaffung von EU-Ausländern aufhängen zu lassen, ist ganz großer Troll-Sport auf der Meta-Ebene. Respekt, AfD. Das muss bestimmt so sein, weil die gewünschte Mauer zur Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte noch nicht steht.

Lesetipp: Meine Schwester hat für den Frauenpolitischen Rat des Landes Brandenburg das AfD-Wahlprogramm durchgearbeitet.


Heimat aber Parkverbot 

Auf Law and order (“Heimat aber sicher”) machen und dann die Karre kackfrech ins Parkverbot stellen. Mit freundlichen Grüßen. Saskia Ludwig, Uniformliebhaberin mit das/dass-Schwäche und Rechtsaußen-Direktkandidatin der CDU für die Bundestagswahl 🙂


Die Potsdamer Mitte und die schönen Sonnenuntergänge am Heiligen See

Sommer. Mit relativ viel Regen dieses Jahr, dafür nicht so schwül. Die Stadt ist ein Traum. Jeden Abend ist das Marmorpalais beim Baden im innerstädtischen See anders wunderhübsch illuminiert, auf den Straßen ertönt bei diversen Festen Musik, die Stadt wächst und wird dick und satt. Und weil es sonst scheinbar nichts zu tun gibt, pflegt die lokale Elite beim Espresso aufm Wassergrundstück die eigenen provinziellen Neurosen und First-World-Problems.

Aktueller Aufreger: Die Fachhochschule in der Friedrich-Ebert-Straße, ein DDR-Bau, nachempfunden einem Gebäude von Mies van der Rohe in Iowa. Wird abgerissen. Stattdessen sollen die Grundstücke verkauft und neubebaut werden um das Ensemble am Alten Markt mit alten Neubauten “fertigzustellen”. Es regt sich Protest. Und kurz bevor die letzten Studierenden ausziehen wird die Mensa “besetzt”. Nach nicht einmal 12 Stunden sind die Besetzer wieder draußen. Es folgt ein provinzielles Lustspiel.

Auftritt Oberbürgermeister Jann Jacobs, zugeschaltet von einer Dienstreise in die Potsdamer Partnerstadt Sansibar.

„Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir die FH schon 2012 abgerissen – denn ich habe so eine Diskussion kommen sehen.“

Bestechende Logik, Herr Oberbürgermeister. Ich finde, das Neue Palais und Schloss Sanssouci sollten schon längst weg sein. Diese ewigen Diskussionen über den Parkeintritt hätten ein Ende.

Seit mehr als zehn Jahren läuft die politische Debatte über die künftige Entwicklung eines lebendigen Stadtquartiers in der Potsdamer Mitte. Die dafür notwendigen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung wurden dazu mehrfach gefasst. Diese demokratischen Entscheidungen setzen wir um. Im Übrigen ist der neueste Beschluss in diesem Jahr fast einstimmig – auch mit den Stimmen der Linken – gefällt worden.

Ganz ohne Zynismus: Sehr auffällig bei den Reaktionen auf den Gegenwind. Immer wieder wird betont, wie legitimiert durch Parlamente, etc. die Entscheidung für den Abriss ist. Nicht einmal gibt sich irgendjemand die Mühe, noch einmal darzulegen, WARUM es immer noch gut ist, das genau so und nicht anders umzusetzen. Und das ist gelinde gesagt eine Frechheit. (Oder wurde da etwa ein wunder Punkt getroffen?) Ich erwarte vom Oberbürgermeister, dass er (ja, immer wieder) erklärt, warum er immer noch zu der Entscheidung steht und gewillt ist das durchzuziehen. Was für ein kleingeistiges Mimimi. “Wirhabendochdarüberabgestimmt. Niemanddarfdasmehrinfragestellen. Dasistgemein. Muttilasstmichinruhe.

Noch ein Spur forscher, trunken vom Hamburger G20-Eskalationscocktail, pöbelt Saskia Ludwig, CDU Bundestagskandidatin, durchs kalte Buffet.

„In Potsdam dürfen nicht Linksextreme bestimmen, welche Häuser abgerissen werden.“ Die Landesregierung dürfe vor dem „linkem Mob“ nicht kapitulieren.

Tja, was willst du da noch sagen. Die Debattenkultur ist im Arsch. Hauptsache laut mit widerrechtlich aufgetragener Bundeswehruniform ins Mikro hupen. Vielleicht bringt’s ja ein paar Stimmen.

Nicht ganz so militaristisch aber immer noch unfassbar dumm.

„Über die Zukunft des FH-Gebäudes wurde nach einem langjährigen demokratischen Diskussionsprozess entschieden“, erklärte CDU-Kreischef Steeven Bretz. Zur Demokratie gehöre es, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren, auch wenn sie nicht der eigenen Meinung entsprechen. „Das müssen auch die Linken endlich mal lernen.“

Jetzt mal ehrlich, Steeven: Du hättest auch gerne den Kaiser zurück, oder? Einmal entschieden, immer gültig. Demokratie bedeutet, dass gewählte Volksvertreter die politische Macht ausüben. Zur Demokratie gehört genauso, dass man das jederzeit kritisieren darf. Ich muss hier überhaupt nichts akzeptieren, ich kann wie ein Rumpelstilzchen auf den Boden stampfen. Die Geschichte ist voll davon, dass so etwas die Gesellschaft weiterbringen kann. Und selbst wenn man ein ganz dünnes Fell hat und Recht und Ordnung in Gefahr sieht, weil ein paar Leute nur durch einen Platzverweis der Polizei aus einer Mensa rausgeworfen werden können, steht es Dir nicht zu, Belehrungen über Demokratie zu erteilen (Aus der märkischen Union, gnihihi)

Nun gut: Das Gepoltere fällt halt leider auf fruchtbaren Boden. Ich würde mir ja wünschen, dass die lokale Presse nicht auf diese Phrasendrescherei reinfällt und vielleicht, auch wenn es schwer fällt, diese Geblöke einfach mal nicht druckt oder ins Internet pustet. Aber wenn die Chefredakteurin der PNN, Sabine Schicketanz, ihren eilig verfassten und eiligst wieder korrigierten Kommentar (die Pflastersteine im Gebäude waren halt kein Angriff auf die Staatsmacht und die nächste Weinverkostung beim Italiener sondern Baureste) mit

Demokratie nicht verstanden

überschreibt, wird schon klar, dass von dieser Seite wenig Korrektur oder Kontrolle zu erwarten ist. Ist ja auch anstrengend. Die gemeinschaftliche Empörung ist viel leichter. Und am Abendbrotstisch fallen dann alle Hemmungen und es geht mit dem Kollegen so richtig zur Sache. Und dann schreibt man das auch noch ins Facebook. Selbst wenn das eine private Äußerung wäre, würde ich mich da angeekelt abwenden, aber Thorsten Metzner agiert auf seinem Profil als “arbeitet bei Tagesspiegel/PNN”. Und das ist für einen Journalisten … ach lassen wir das. Liebe PNN, wird so etwas bei Euch eigentlich aufgearbeitet?

Ich konstatiere: Die Stadt, also die gesellschaftliche und politische Elite, geilt sich an der Widerrechtlichkeit des “Besetzungchens” auf. Die interessanten Sachargumente in der Debatte “Gestaltung der Potsdamer Innenstadt” kommen von “Außen”. Von der FAS, von arte.

Ich persönlich bin der Initiative “Potsdamer Mitte neu denken” sehr dankbar, dass sie die Diskussion aus dem langweiligen Lagerdenken (Wenn Du dafür/dagegen bist, willst Du die DDR/Preußen zurück) rausgeholt hat. Obwohl sie trotz knapp 15.000 Unterschriften beim Bürgerbegehren oder diversen konstruktiven Aktionen permanent in die Demokratie-feindliche Ecke gestellt wird.

Vielleicht kommt dann irgendwann auch noch einmal das Potsdamer Dilemma der Stadtentwicklung auf den Tisch. Wäre Hasso Plattner Fan des FH-Gebäudes, würde es stehen bleiben. Ja, es ist ein hehres Ziel, das alles “ohne öffentliche Gelder” (Sternchen: Wenn man von den beträchtlichen Investitionen in die Infrastruktur absieht) zu machen. Aber dann baut Plattner halt das Barberini und Jauch die Plattform der Garnisonkirche und die Stadtentwicklung wird vom teils zweifelhaften Geschmack reicher Menschen abhängig. Die Stadt verliert die Kontrolle und kann sich der Diskussion entziehen. Das sollte Sabine Schicketanz mal in einem Kommentar thematisieren. Oder Thorsten Metzner investigativ untersuchen.

Die heile Potsdamer Sonnenuntergangswelt kann ich auch mit der Handykamera liefern, das schaffe ich nebenberuflich.

Zurück zum Heiligen See.


#Abi97

Gut, ich wohne noch hier und fahre an dem Ding fast täglich vorbei, aber zusammen mit zwei Dritteln des Jahrgangs in der Aula, die immer noch fragwürdig riecht und in der wir die Abiprüfungen geschrieben haben, zu stehen ist doch noch einmal etwas anderes.

1991 kamen wir auf die Schule, mitten im Wendechaos. In unserer Schulzeit war das eine andere Stadt und eine andere Welt. Dann Abi 1997, ein Treffen nach fünf, eins nach zehn Jahren und jetzt das zwanzigjährige Jubiläum. Unfassbarerweise waren selbst Lehrer damals nicht, wie aus unserer Perspektive eingeschätzt, mindestens Ende fünfzig (uralt!) und sind deswegen teilweise sogar noch im Dienst. Wir hingegen waren leider auch nicht, wenn man die alten Fotos sieht, so reif und erwachsen, wie wir uns fühlten und benahmen. (Mein Gott, das war noch ganz schön Achtziger. Und selbstverständlich sehen wir aus wie Kinder.)

Nunja, das Haus ist jetzt saniert, die Patina und der schlechte Geruch wurden aber denkmalgerecht erhalten. Heute traut sich niemand mehr nach dem Abi in die Hauswand einzukratzen, es gibt in jedem Raum einen Amokalarm und die Türen haben keine Klinken mehr. Die hochmoderne Schließanlage war aber immerhin so kaputt, dass wir aus Versehen plötzlich eine Tür öffneten und so mitten im Gebäude standen.

Alles in allem war das ein sehr schönes und entspanntes Treffen. Es hat auch Vorteile, dass wir noch nicht von der vollen Ladung Social Media getroffen wurden und heute nicht zwangsläufig von allen genau wissen, was sie machen und wo sie sind. (Ich hätte nicht gedacht, dass es mittlerweile so viele Kinder gibt)

Nur die Turnhalle möchte ich dann doch nochmal von innen sehen. Aber bald beginnt ja die Informationstour für K1, vielleicht ergibt sich da ja noch einmal die Gelegenheit.


Marmorpalais. Nachts.

Das Motiv wird einfach nicht langweilig. Nachts schnell eine Runde Baden und ein Wein am Heiligen See. Vorteile der Kleinstadt. 


Guten Morgen


Ich bin eine Straßenbahn 

Oder auch nicht.


Peng

Heute dann mal was Neues: Bagger Gabelstapler fällt mit großem Knall vom Laster und muss mit Kran wieder aufgerichtet werden. Nettes Entertainment am Morgen.


Bürgertum hinter Gips

Bürgerliche Kultur – das muss man denen, die im Namen des aufgeklärten preußischen Bürgertums alle Spuren der Ostmoderne eliminieren wollen, noch mal sagen – bedeutete auch einmal, das Vorhandene zu pflegen und Respekt vor denen zu haben, die da waren, bevor man selbst kam. Daraus könnte man einiges für den Umgang mit dem Erbe der Ostmoderne ableiten.

In der FAZ: Ein sehr weiser, gut formulierter Blick von außen auf die fürchterlichen Potsdamer Rekonstruktionsbemühungen. Und es geht “nur” um das Ensemble am Alten Markt und nicht einmal um die Garnisonkirche.

 


Kinderexperiment #Kakao

Wenn ein Kakaotrinkbecher (geschlossen) vom Hochbett fällt, verteilt er hippieske Muster in hellbraun bis zu 3 Meter Höhe an der Wand. (Außerdem geht der Trinkbecher leicht kaputt, das Kind ist verstört und ich beginne das Wochenende damit 30 Minuten die Wand zu schrubben)


Frühling


Regengolf