Ich verstehe es immer noch nicht. Ryan Babel schreibt was halblustiges, halbgemeines auf Twitter über seine rote Karte gegen die Hertha. (“I don’t know, the ref was on drugs”) Und der DFB-Kontrollausschuss belegt ihn wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Strafe von 3.000 Euro. Wieso hat der DFB über die Meinungsäußerungen von Herrn Babel via Twitter zu richten? Weil es öffentlich ist? Würde der DFB auch so richten, wenn Herr Babel (oder ich, oder irgendwer) SICH auf einen Marktplatz stellen würde und schreien würde. “Schiedsrichter, Eierkopp”? Das geht in die Richtung, die hier Anfang der Saison schon einmal Thema war. Das Dortmunder Webradio und die ominöse Sperre. Es steht ja dem Schiedsrichter frei zivilrechtliche Schritte zu unternehmen, wenn er sich beleidigt fühlt. Es steht dem Arbeitgeber Hoffenheim frei wegen geschäftsschädigenden Verhalten abzumahnen. Aber wieso darf der DFB das? Das ist eine fucking Sportgerichtsbarkeit. Kann diesem Treiben irgendein findiger Jura-Student mal ein Ende bereiten. Danke.
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Niemand wird jemals abschließend beurteilen können, wer jetzt schuldhaft mehr Porzellan zerschlagen hat. Dumm gelaufen auf jeden Fall, die letzten zwei Jahre. Also eigentlich alles nach dem Tritt von Kevin-Prince. Im Mai 2010 gab es noch eine Brennpunkt-ähnliche Sportschau Extra nach der Tagesschau. Joachim Löw sprach von “Schock”, “Weltklassespieler” und “unser Kapitän”. Millionen Fußballfans starrten entgeistert das Panini-Heftchen an und fragten sich, wer denn diejenigen sein sollen, die laut Bundestrainer “jetzt die Verantwortung übernehmen sollen”. Der komische Özil etwa, der bei Schalke nicht klar kam und sowieso viel zu dünn ist? Der Ausgang ist bekannt. Ballack spielte nie wieder für die Nationalmannschaft, war häufig verletzt und auch Leverkusen – wo man dachte, na das war ja ne weise Entscheidung da hin und nicht zu Wolfsburg zu gehen – wurde durch ihn und er durch den Klub nicht recht glücklich. Niemand wird jemals abschließend beurteilen können, wer die eingeschnapptere beleidigte Leberwurst in dem Theater ist, aber: Schon komisch, Raúl war zwei Jahre bei Schalke 04 und das ganze Stadion, die ganze Fußballnation (ich auch) liegt ihm huldigend zu Füßen. Der beste und erfolgreichste deutsche Fußballer des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts hingegen wird bei seinem letzten Heimspiel in der Bundesliga irgendwann im Niemandsland der zweiten Halbzeit eingewechselt, es wird höflich applaudiert und dann wars das. Finde ich nicht angemessen.
Deshalb hier ausdrücklich, wenn die das in Leverkusen nicht hinkriegen. Danke Michael Ballack. Für Japan und Südkorea 2002, für dynamisches Kopfballspiel, für “Capitano” bei der WM 2006, für die aufgepusteten Backen gegen Österreich. Danke auch für das Eigentor gegen Unterhaching, für die vielen zweiten Plätze. (Aber hey, welcher aktive deutsche Profi kann im Moment eigentlich einen internationalen Titel sein eigen nennen? Mir fällt keiner ein. Doch Mathias Schober. Schalke Uefa Cup irgendwann im letzten Jahrtausend.) Dafür, dass Du nach vielen Jahren der erste deutsche Profi warst, der sich ins Ausland zu einem Spitzenklub getraut hat. (Nein, Metzelder auf der Bank von Real Madrid zählt nicht) Danke für den ehrlichen Frust nach dem verlorenen Finale bei der EM 2008 gegen Spanien wider das Bierhoffsche Heitidei.
Schön wäre es, wenn Du nicht den Weg des redseligen Lothars einschlagen würdest. Wenn Du in Würde und nicht als Trainerdarsteller oder Möchtegernexperte in Zukunft präsent sein würdest. Ich bin mir da nicht sicher – siehe oben – da fehlt einem ja der tiefere Einblick und ein bisschen auch das Interesse an den Schlammschlachten der Egos. Mal sehen. Ich bin auf jeden Fall ein bisschen gespannt, ob man nach einem Profidasein als prägender Spieler eines Jahrzehnts auch später cool sein kann. Freuen würde es mich. Viel Spaß in Amerika. Oder wo auch immer. Und genieß die Zeit, wo Du keine Berater mehr brauchst.
Ebräerstraße. Potsdamer Innenstadt. Dienstag, 10. April, kurz vor 22 Uhr. Alle Straßenlaternen auf einmal aus. Zwischendurch mal an, dann wieder aus. Zwei Hertha-Fans in der Schaltzentrale der Potsdamer Stadtwerke? Zwischen Desillusion und leiser Hoffnung? Oder Korrelation mit Roman Hubniks Leistung (Eigentor, Tor, trotzdem verloren)? Billige Witze auf Kosten anderer, tschuldigung.

Der eine Spieltag ist noch nichtmal ausgewertet. Feiertag und so. Da fängt schon der nächste an. Nummer 30. Endspurt sozusagen. Mit dem Spiel Platz 1 gegen 2. Vorentscheidung, tralala. Heißt auch. Noch ein bisschen Pokalfinale und Champions-League und dann steht die Europameisterschaft quasi schon fast vor der Tür. Mit Kadernominierung, Testspielen, possierlichen Experten bei ARD und ZDF und allem Schnick und Schnack. Und zu großen Turnieren ist ja immer schönes Wetter. Nicht so wie jetzt über Ostern. Also quasi nur noch dreimal schlafen und es sind 30 Grad und in Polen und der Ukraine beginnen die Spiele. Es wird also langsam Zeit, das mal vorzubereiten. Mit Brot und Spielen für alle. Ich fang dann mal an. Um nicht wieder so spät wie bei der WM fertig zu werden. Mal schauen, welche schöne Ideen genug Zeit finden. Anstregend so eine EM-Vorbereitung.
“Halbzeit” – der zweite Teil einer Trilogie von Dokumentationen in Spielfilmlänge über 5 hoffnungsvolle Nachwuchskicker, die aus der Jugend von Borussia Dortmund auszogen um Profifußballer zu werden. Der erste Teil erschien 2003, jetzt sind alle Beteiligten 26/27 Jahre alt. Und teilweise nicht mehr wirklich im Rampenlicht. Selbst Florian Kringe, der prominenteste der Fünf, gerät angesichts Götze & Co ja gerade etwas in Vergessenheit.
Am Donnerstag, den 1.12. um 23:15 Uhr im WDR Fernsehen.
Geht’s gucken.
Justin Fashanu, Gareth Thomas, Marcus Urban. Schonmal gehört? Nein, kein Wunder. Das sind jetzt nicht die bekanntesten Spitzensportler der Welt. Einer hat sich das Leben genommen, der zweite bekam den Stonewall’s Hero of the Year award für Etwas, was eine ganze Menge Kraft und Nerven kostet, gerade im Rugby. Und der dritte hat seine vielversprechende Fußballkarriere beendet, bevor sie richtig begann, weil der Druck zu groß war.
Fußball ist ein tolles Spiel, Sport an sich eine ganz großartige Sache, mit ganz vielen eigenen Codes, Ritualen, Traditionen. Und leider – obwohl es doch mittlerweile anders sein sollte – auch ein Hort der größten Vorurteile. Ich bin viel zu weit entfernt, von dem Innenleben des Systems Profisport. Ich kann nur erahnen, was für “Spielregeln” in einem Fußballklub gelten, was der vielbeschworene Druck der Medien wirklich bedeutet, was er anrichten oder zerstören kann. Einen Einblick in die Klatsch und Tratsch-Hölle bekommt man, wenn man sich Google-Referrer anschaut. “XYZ schwul” schickt die Suchenden auch auf diese schicke Webseite, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, hier keine abenteuerlichen und boulevardesken Theorien abzufeiern.
Was bleibt, wenn man sich das in den Statistiken ansieht, wenn man Bierhoff, Daum oder andere komisches Zeug quatschen hört, ist auf eine gewisse Art und Weise Fassungslosigkeit. Und man sollte sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass das kein folkloristisches und niedliches Gerede ist, sondern etwas, was 2011 gesellschaftlich geächtet werden sollte. Nämlich die weit verbreitete Homophobie im Sport, gerade in den sogenannten “Männersportarten”, die dafür sorgt, dass das Outing eines aktiven Fußballers in der Bundesliga etwas ganz und gar Unvorstellbares scheint.
Mir ist das auch nicht immer präsent, und auch deswegen, um sich das mal wieder richtig ins Bewusstsein zu rufen, ist das, was einige Leute hier auf die Beine gestellt haben, was ganz Großartiges. Ein Statement, nicht mehr und nicht weniger. Und vielleicht ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer Normalität, die es anderen Bereichen der Gesellschaft längst gibt.
Justin Fanashu war der erste Fußballer, der öffentlich bekannte, dass er homosexuell ist. Gareth Thomas war der Kapitän der walisischen Nationalmannschaft und sagte bei seinem Outing die weisen Worte: “I don’t want to be known as a gay rugby player. I am a rugby player, first and foremost I am a man” und Marcus Urban war ein hoffnungsvoller Nachwuchsspieler und studierte dann doch lieber Stadt- und Regionalplanung, anstatt sich im System Profifußball verstecken zu müssen. Heute betreut er das Expertennetzwerk “Fußball gegen Homophonie”.
Einige Menschen haben das in die Hand genommen, viele machen mit. Schön wäre es, wenn es etwas bewirkt. Das Folgende steht heute in vielen Sportblogs. Angereichert mit einer Menge eigener Gedanken. Mit viel Wissen und Kompetenz. Geht auf www.aktion-libero.de und schaut es Euch an. Lest Euch die Artikel der Anderen zum Thema durch. Das sind die Coolen, nicht die Stammtischparolendummschwätzer.
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Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.
Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.
Seit heute geistert die Nachricht durchs Netz. Der DFB Kontrollausschuss, Teil der DFB-Sportgerichtsbarkeit, hat die zwei Kommentatoren des BVB Netradios für ihr Wirken bei der Kommentierung des Spiels Leverkusen gegen Dortmund “bestraft”. Dickel und Rupert feuerten in ihrer Wut unnette Sprüche nebst Schimpfworten Richtung Wolfgang Stark, den Schiedsrichter der Partie. Habt Ihr nicht gewusst? Ich auch nicht. Streisand-Effekt und so.
Diese Welt der Beschimpfungen und emotionalen Ausnahmezustände, die sich auf eine Person konzentrieren ist mir ja fremd. Gerade im ersten Drittel einer Saison. Ich finde die Äußerungen der beiden auch nicht wirklich gelungen, naja. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.
Der interessante neue Fakt an dieser Geschichte ist für mich folgender. Als Reporter eines von einem Mitglied des DFBs (Borussia Dortmund) betriebenen Radios (ob Internet oder UKW ist ja erst einmal egal) steht man scheinbar unter der Sportgerichtsbarkeit des DFB. Das ist für mich – als juristischer Volllaie – zumindest fragwürdig.
Man hat ihnen jetzt eine Geldstrafe und einem von beiden eine – hihi – Sperre aufbrummt. Eine Sperre. Für einen Kommentator. Zwei Spiele darf er nicht kommentieren. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Der putzige DFB denkt, er kann die Welt erklären und alles, was ihm nicht passt genauso wie aufm Platz mit Gelben und Roten Karten regeln.
Natürlich werden die Kommentatoren nicht vor ein ordentliches Gericht ziehen oder einen Bosman-ähnlichen-EU-Prozess anstreben. Und natürlich finde ich Schiedsrichterbeleidigung auch bäh. Nur, ist Beleidigung nicht eigentlich etwas, was, wenn es nicht direkt im Spielbetrieb geschieht, von ordentlichen Gerichten zu klären wäre? Und ist es nicht ein übergriffiges Verhalten der Sportgerichtsbarkeit so etwas zu beurteilen? Läuft es nicht normalerweise so, dass die Sportgerichte etwas verhandeln, was auf so etwas wie einem Spielberichtsbogen steht? Wer war eigentlich der Kläger in diesem Fall?
Ich hätte mich auch gerne auf der DFB-Seite darüber informiert, die Höhe der Geldstrafe und die Begründung nachgelesen. Nur, die Nachricht ist dort noch nicht einmal verkündet.
Diese Sportverbände, die denken sie sind ein Staat im Staat … immer wieder faszinierend und schockierend …
Danke für die schöne Zeit. Deine Vereine waren mir immer piepegal. Aber danke dafür, dass Du immer, wenn alle dachten, mit Dir in der Abwehr der Nationalmannschaft kann man nicht in ein Turnier gehen, doch ganz solide innen- oder außenverteidigt hast. Danke für Dein erstes Tor im DFB Trikot, was ich auf der leeren Autobahn zwischen Krakau und Potsdam im Radio mitbekommen habe und Teil des großartigen 4:0 gegen Argentinien letzten Sommer war. Danke für einen geräuschlosen und meiner Meinung nach stilvollen Abgang aus dem Kindergarten Wolfsburg. Da Du jetzt erst im Winter wechseln kannst, wird das wohl nichts mehr mit einer EM-Teilnahme. Ich wünsche Dir aber, sofern Du noch weiter kicken möchtest, einen Verein, bei dem man solide Abwehrarbeit zu schätzen weiß. Und 82 Länderspiele sind doch eigentlich auch ganz cool.
Russische Kosmonauten, Tipps auf die Frisur der Nation und geballte Meinungen aus der Sportbloggerlandschaft gibt es als audiovisuelle Kunstwerke in den Sportblogschauen bei Catenaccio. Video schauen ist das neue Sonderheft lesen. Oder so.
Kaum kommt der Frühling, steht eine Ausrede mehr zur Verfügung.
Andere sagen zu dem Wetter am Wochenende “perfektes Fußballwetter”. Ich zum Beispiel. Und ich empfinde Babbels Argumentationslinie als extrem peinlich.


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