Gescheitert.

Die WM ist vorbei, bevor sie richtig angefangen hat. Nein, ich meine nicht Kevins Urinierverhalten oder Jogis bevorstehende MPU. Es ist viel schlimmer. Das Kind wünscht sich ritualisiert ja bei jedem Einkauf eine grenzdebile Kinderzeitung mit Schnickschnack eingepackt in Plaste außen dran und ritualisiert lehne ich jedesmal mit den Worten “Nur, wenn wir mehr als zwei Stunden Auto fahren” ab. Gestern fasste ich dann in Vorbereitung des Einkaufs einen meiner Meinung nach genialen Plan. Zielstrebig lockte ich die Sechsjährige weg von den Zeitungsregalen hin zu dem Panini-Album der WM. Ich wollte ihr das durchaus vertraute Konzept des Sammelns von Aufklebern als gemeinsames Projekt schmackhaft machen. “Jedes Team hat ein Wappen”. “Die glitzern manchmal”. “Die haben alle unterschiedliche Trikots”. “Und dann können wir zusammen Fußball schauen”. “Du lernst die ganzen Spieler kennen” Völlig einleuchtend fand ich (natürlich auch eine willkommene Ausrede sich doch wieder ein letztendlich unvollständiges Album zuzulegen) Die Antwort war ernüchternd. Die Blicke wanderten zum Zeitungsregal, deutliche Skepsis sprach aus den Augen. “Papa, Fußball ist langweilig.” Sie meinte dann noch, dass sie durchaus bereit wäre, mit mir Fußball zu schauen, aber Spielen selbst findet sie doof, da macht man immer das selbe, das soll Theo machen, der kann das gut. Und weil sie Fußball selbst nicht ausüben möchte, hätte sie auch kein gesteigertes Interesse an Aufklebern. Ich solle ihr lieber wieder was von früher und der DDR und wie die Chefs der DDR in mein Leben eingegriffen haben erzählen. Ich könnte mir das jetzt damit schön reden, dass allgemein gerade eine “Mir ist langweilig, alles ist langweilig, ich will eine ‘Wissen macht Ah’ Folge gucken und nicht-altersgerechtes Wissen tanken”-Phase ist. Ich könnte der Realität aber auch ins Auge schauen und konstatieren, dass die WM Vater-Kind-technisch gelaufen ist. Was im Angesicht der Übertragungszeiten und des Fernsehkonsums des Kindes vielleicht auch nicht so schlecht ist. Guck ich eben alleine (und kann wenigstens dabei Bier trinken und fluchen)

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